Die Pause nutzen sie zum Arbeiten. Helena Autischer und Valentina Simschitz bleiben am Tisch sitzen, während die meisten anderen aus dem Saal strömen. Sie feilen an der Präsentation, die sich bald dutzende Jugendliche anhören werden. Die zwei 18-Jährigen sind aus Kärnten angereist, um in Wien an der "Jungen Konferenz zur Zukunft Europas" teilzunehmen. Organisiert wurde diese vom Europaministerium und der Bundesjugendvertretung; in Österreich war es gar die größte Veranstaltung im Rahmen der EU-Zukunftskonferenz, die die Bürger Europas zu mehr Teilhabe an der Union bewegen soll.

Dass explizit Jugendliche eingebunden werden, ist für Valentina Simschitz ein Zeichen dafür, ernst genommen zu werden. "Es wird nicht nur über uns, sondern mit uns geredet", sagt sie. Sie hofft sehr wohl, dass die hier eingebrachten Ideen von der Politik aufgegriffen werden, auch auf EU-Ebene.

Menschen zwischen 16 und 30 Jahren waren aufgefordert, sich für die Konferenz zu bewerben, ihre Vorstellungen und Wünsche für die Europäische Union vorzustellen. An die 150 Anmeldungen aus allen Bundesländern wurden es, etwas weniger Jugendliche sind dann tatsächlich nach Wien gekommen. Die meisten von ihnen sind schon politisch interessiert, etliche in Organisationen wie der Schülerunion aktiv.

Am Mittwochnachmittag nehmen sie an den Tischen in den Sofiensälen Platz. In Grüppchen von bis zu zehn Personen sitzen sie zusammen, diskutieren, beugen die Köpfe über ein Plakat, das sie mit Stichworten befüllen und später Ministerin Karoline Edtstadler überreichen werden. Geimpft oder genesen und mit einem gültigen PCR-Test ausgerüstet mussten sie sein, um an der Veranstaltung teilnehmen zu dürfen.

Doch die Corona-Pandemie ist alles andere als das dominierende Thema. Es geht vielmehr um Demokratie, Klimaschutz, Migration, die Rolle der EU in der Welt, den digitalen Wandel. Wie ein roter Faden zieht sich das Wort Bildung durch etliche Bereiche - angefangen von politischer Bildung über Ausbildung als wirtschaftlicher Faktor bis hin zur Bewusstseinsbildung in der Klimakrise. Die Bezeichnung "Krise" ist hier absichtlich gewählt und wird auch betont; die Angelegenheit weckt so hohes Interesse bei den Jugendlichen, dass gleich zwei Arbeitsgruppen dazu eingerichtet wurden. Experten begleiten die Gesprächsrunden.

Gesundheit ist aber dann doch ein Thema. Mit diesem beschäftigen sich Helena und Valentina. Im Vordergrund steht dabei die psychische Gesundheit. Denn Anzeichen von Depression, Vereinsamung, damit verbundene Ausgrenzung - von all dem sind auch Jugendliche betroffen. Eine Kampagne zur Entstigmatisierung und mehr EU-Mittel zur Förderung der psychischen Gesundheit wären nötig, findet die Gruppe.

Mit Anliegen nicht allein

Europaministerin Edtstadler hört den Ideen zu. Bei deren Präsentation sitzt sie an dem Tisch, der sich mit dem entsprechenden Bereich befasst. Der Zeitplan ist straff und wird eingehalten: eineinhalb Minuten Präsentation, Kommentar der Ministerin, eine kurze Nachfrage der Moderatorin an einen weiteren Teilnehmer.

Was die Jugendlichen nach diesen gemeinsamen Stunden mitnehmen? "Kontakte hoffentlich", meint einer lachend. Die Beruhigung, mit Sorgen und Anliegen nicht allein zu sein, erzählt eine andere. Und Edtstadler? Sie spricht von Motivation, "für das Projekt Europa zu begeistern".