Was den Bekanntheitsgrad in der breiten Bevölkerung betrifft, gibt es für Penny Mordaunt noch Luft nach oben. Während Ex-Finanzminister Rishi Sunak bei Umfragen von knapp zwei Drittel der Briten erkannt wird und Außenministerin Liz Truss noch auf knapp 45 Prozent kommt, ist Mordaunt nur knapp 11 Prozent der Befragten so geläufig, dass sie den richtigen Namen nennen können, wenn sie ein Foto der 49-jährigen Handelsstaatssekretärin gezeigt bekommen. Einige der Umfrageteilnehmer verwechselten Mordaunt sogar mit der Sängerin und fünfzehnfachen Grammy-Gewinnerin Adele.

Doch Mordaunts bisher geringe Bekanntheit dürfte eher früher denn später ein Problem der Vergangenheit sein. Im ersten Wahlgang für die Nachfolge von Boris Johnson als Tory-Parteichef und Premierminister war die ehemalige Verteidigungsministerin mit 67 von 358 Stimmen nur knapp hinter Sunak auf Platz zwei gekommen.  Im Wahlgang am Donnerstagnachmittag erreichte sie mit 81 Stimmen ebenfalls den zweiten Rang.

Wichtiger als diese beiden Zwischenergebnisse sind allerdings Mordaunts Wahlchancen, wenn sie es als eine von zwei verbleibenden Bewerbern in das Finale der parteiinternen Abstimmung schafft. Denn bei der Stichwahl entscheiden nicht mehr die Tory-Abgeordneten im Unterhaus, sondern alle Parteimitglieder per Briefwahl. Und bei der Basis ist Mordaunt die mit Abstand beliebteste Kandidatin. Laut einer aktuellen Yougov-Umfrage wünschen sich 27 Prozent der Tory-Mitglieder die vehemente Brexit-Befürworterin als neue Premierministerin, für Sunak oder Truss sind dagegen nur jeweils 13 Prozent.

Kein Elitenkind

Obwohl Mordaunt drei Jahre lang Johnsons Regierungsmannschaft angehört hat, ist sie allerdings nicht dessen engerem Kreis zuzurechnen. Als der frühere Londoner Bürgermeister 2019 Premierminister wurde, hatte er Mordaunt als Verteidigungsministerin abgesetzt, weil sie zuvor Johnson Rivalen Jeremy Hunt unterstützt hatte. Und auch jetzt schießen Johnsons Vertraute, die am liebsten Außenministerin Truss in der Downing Street 10, sehen würden, scharf gegen Mordaunt. Er habe schwere Bedenken, ob seine einstige Stellvertreterin geeignet sei, sagte der frühere Brexit-Minister David Frost unmittelbar vor der Abstimmung am Donnerstag.

Tatsächlich könnte Mordaunt allerdings die Brücke zwischen der auch gesellschaftlich konservativen Welt der Hardcore-Brexiteers und den vergleichsweise liberaleren Strömungen in der Partei schlagen. Während des Wahlkampfs vor dem Brexit-Referendum war die Reservistin der britischen Marine auch bei einer LGBT-Veranstaltung aufgetreten. Und anders als etwa Johnson oder sein Vor-Vorgänger David Cameron ist Mordaunt auch nicht als Mitglied einer wohlhabenden Elite-Familie aufgewachsen. Mordaunt ist die Tochter eines Fallschirmjägers, um sich ihr Studium zu finanzieren, arbeitete sie in der örtlichen Johnson&Johnson-Fabrik und als Assistentin eines Zauberers.

Entsprechend klar hat sich die 49-Jährige auch von den Lockdown-Parties Johnsons distanziert. Das Verhalten des Premierministers sei beschämend gewesen, sagt Mordaunt.