Wien. Der Erste Weltkrieg war die Geburtsstunde der Kriegsführung mit chemischen Waffen, die auf Substanzen basierten, die in der chemischen Industrie bereits verwendet wurden: Chlor, Phosgen (Kohlenoxiddichlorid), Cyanwasserstoffen (Blausäure) und Arsin (Arsen-Wasserstoffverbindung). Es waren die Franzosen, die bereits im August 1914 Xylylbromid, ein für die Pariser Polizei entwickeltes Tränengas, gegen deutsche Truppen einsetzte, die ihrerseits diese Substanz wiederum im Jänner 1915 bei Bolimov und Lodz in Polen an der Ostfront gegen russische Truppen abfeuerten - mit wenig Folgen, da die Kälte ein Verdampfen weitgehend verhinderte.

Der erste durchschlagende Einsatz von Giftgas war jener vom 22. April 1915 in der Schlacht von Ypern in Flandern, wo die deutsche Armee 150 Tonnen Chlorgas freisetzte, das beim Einatmen zu Lungenödemen führt. Das Gas forderte in den französischen Schützengräben nach unterschiedlichen Angaben zwischen 1200 und 5000 Tote und 3000 bis 10.000 Verletzte. Frankreich setzte dann ein knappes Jahr später erstmals den Kampfstoff Phosgen ein, der für den größten Teil der rund 90.000 Gas-Toten des Ersten Weltkrieges verantwortlich war.

Am 12. Juli 1917 verwendete die deutsche Armee in Erwartung einer britischen Offensive wiederum bei Ypern erstmals Senfgas. In der Spätphase des Ersten Weltkrieges wurden häufig kombinierte Kampfstoffe eingesetzt, so in der Zwölften Isonzoschlacht von Karfreit am 24. Oktober 1917, wo mehr als 5000 Italiener ums Leben kamen.

Nachteilig für den Einsatz von Giftgas war die Abhängigkeit von Windströmungen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Giftgas nur von den Japanern verwendet. Die Vermutung, dass Adolf Hitlers Erfahrungen im Ersten Weltkrieg ihn davon abgehalten hätten, Giftgas einzusetzen, sind aber falsch. Vielmehr verheimlichte die Führung des deutschen Kampfgasentwicklungsprogramms bewusst die tatsächlichen Möglichkeiten, da eine Eskalation zu einem Gaskrieg befürchtet wurde - mit den neu entwickelten Nervengiften Sarin und Tabun.

In der Zwischenkriegszeit wurde Giftgas von den Briten gegen die Kurden von Sulaimaniyya im Irak , von Spanien im Rif-Krieg in den Jahren 1923 bis 1926 in Marokko, von Italien in den Kriegen geben Libyen (1924-1930) und Äthiopien (1935/36) und von der Sowjetunion 1930 in der chinesischen Provinz Xinjiang zum Einsatz gebracht.

Die USA entwickelte in der Zwischenkriegszeit Chemiewaffen und der Leiter der National Association for Chemical Defense, Edmund Bullis, setzte sich mit der Begründung "Wir sollten uns nicht die Hände durch eine internationale Übereinkunft binden lassen, deren Einhaltung man nicht sicherstellen kann" gegen ein weltweites Verbot ein.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging Ägypten in den Jahren 1963 bis 1966 gegen Jemen mit Senfgas vor und der Irak setzte zwischen 1983 und 1988 im Krieg mit dem Iran verschiedene Giftgase ein sowie 1988 gegen Kurden in der Stadt Halabdscha Sarin, dessen Spuren nun auch in Syrien festgestellt wurden.

1997 trat ein internationales Chemiewaffenübereinkommen in Kraft, das bisher von 188 Staaten unterzeichnet wurde.