Wien. Staatsbesuche wie jener des russischen Präsidenten Wladimir Putin folgen ihrer eigenen Choreografie: ehrfurchtgebietende Motorradeskorte vom Flughafen zur Hofburg samt über dem Konvoi kreisenden Helikoptern, Begrüßung mit militärischen Ehren, Abspielen der Nationalhymne von Russland und Österreich, Abschreiten der Ehrenformation, am Ende Kranzniederlegung am Heldendenkmal der Roten Armee in Wien.

Der Besuch des russischen Präsidenten ist der bedeutendste Besuch eines Staatsgastes in diesem Jahr, ein Fest für die Protokollabteilung der Hofburg, die Besuche wie diese minutiös vorbereitet und für einen reibungslosen Ablauf sorgt.

Aber trotz Platzsperre und schwerer Sicherheitsvorschriften wird wohl auch der russische Präsident ein wenig von einer gegen ihn gerichteten pro-ukrainischen Demonstration mitbekommen haben. Kurz nachdem die letzten Takte der Bundeshymne verklungen sind, geleitet Bundespräsident Heinz Fischer Putin in seine Amtsräume: Als die beiden aus dem inneren Burghof der Hofburg zur Pforte der Amtsräume des Bundespräsidenten biegen, trägt der Wind die von der Demonstration am Heldenplatz und vor dem Parlament aus dem Lautsprecher tönenden tönende Parole "Putin ist ein Terrorist!" ans Ohr Putins. Der ukrainische Anti-Putin-Protest bleibt aber überschaubar: Es sind weniger als 200 Menschen, die Putin mit Plakaten mit Aufschriften wie "Putin, lass uns in Ruhe", "Hände weg von der Ukraine", "Georgien 2008, Ukraine 2014. Wer ist als Nächster dran?" oder "stoppt die russische Propaganda" empfangen. Organisiert wurden die Demonstrationen vom Verein "Demokratische Ukraine". "Wir finden es sehr unpassend, dass Putin empfangen wird. Vor allem das Programm seines Aufenthaltes vermittelt den Eindruck, dass alles wieder seinen gewohnten Lauf nimmt, als wäre gar nichts passiert: Wirtschaftsverträge werden unterzeichnet und die Kooperation mit Russland geht weiter. Man hat das Gefühl, dass hier Menschenrechte für Gas verkauft werden", sagte Anna Iarotska, gebürtige Ukrainerin und Obmannstellvertreterin der Organisation gegenüber der Austria Presse Agentur (APA).

Die prorussischen Demonstranten gleich hinter dem Burgtheater sind aber noch weniger zahlreich: Russische Fahnen wehen hier im Wind, die Demonstranten tragen Transparente mit Slogans wie "Vergesst unsere Einheit nicht" oder "nein zur Doppelmoral".

Liebesgrüße an Moskau -
mit blankem Busen