Österreichs Außenminister sowie Lajčák und Szijjártó sind an den Ort der Inszenierung zurückgekehrt - um eine eigene Inszenierung zu veranstalten. Neben dem Gedenkstein ist ein kleines weißes Zelt Marke Gartensiedlung aufgebaut, geschmückt mit den Fahnen der drei Länder. Die Politiker unterschreiben darin eine "Freiheits-Charta". Sie erinnert an die Ereignisse vor 25 Jahren, richtet den Blick aber vor allem in das 21. Jahrhundert. Man sei sich der Tragödien in der Vergangenheit bewusst, daher verurteile man Extremismus, Rassismus, Intoleranz und Diskriminierung. In einer Passage des Dokuments wird Europa als "demokratischer Kontinent" bezeichnet. Das autoritäre weißrussische Regime unter Alexander Lukaschenko wird an dieser Stelle ausgeklammert.

Nach Unterzeichnung der Charta lassen sich die drei Politiker neben dem Gedenkstein ablichten, dann geht die Vergangenheits-Tour weiter, die Blaulichtkolonne setzt sich wieder in Bewegung.

Nächste Station ist der Ort des "Paneuropäischen Picknicks". Bei der Demonstration im August 1989 nutzten rund 600 DDR-Bürger die Gelegenheit, um in den Westen zu fliehen. Tausende sollten später folgen. "Die Hilfsbereitschaft der Burgenländer war beispielgebend. Sie stellten Kleidung, Lebensmittel und Unterkünfte bereit", sagt Wolfgang Bachkönig. Angesprochen auf Parallelen zwischen der Hilfe beim Ungarn-Aufstand 1956 und den Geschehnissen von 1989 meint der Polizist und Chronist, dass die Bevölkerung mit dem grenznahen ungarischen Raum stets sehr verbunden war. "Die Region ist auf dem Weg, eine Einheit zu werden."

Fremde Ereignisse,
gelegentlich fremde Nachbarn


So weit geht Dóra Kutasi nicht. Die 19-Jährige meint zwar, es sei selbstverständlich für Österreicher aus der Gegend, in ihre Heimatstadt Sopron zu kommen. Umgekehrt gelte das auch, jedoch oft nicht aus privaten Gründen wie den stereotyp klingenden, aber tatsächlichen Friseur- oder Zahnarztbesuchen, sondern aufgrund des Arbeitsplatzes. Und während Volksschüler in Sopron zwischen Deutsch und Englisch als Fremdsprache wählen könnten, hinkten die Ungarischkenntnisse der Österreicher noch weit hinterher.

Fremd war für manch Teilnehmer der Fahrt auch ein Bezug zu den Ereignissen von 1989: "Obwohl mein Vater geschichtlich versiert ist und mir vom Fall des Eisernen Vorhangs erzählt hat, war er für mich emotional weit weg", sagt die Salzburgerin Christina Standl. Sie stammt aus Oberndorf an der Grenze zu Deutschland, in der Kindheit, etwa in den Ferien, sei der Blick nicht gen Osten gerichtet gewesen. "Erst mit dem Studium in Wien und meinem Fach Geografie und Regionalentwicklung hat sich das geändert", so die 23-Jährige.

Standl wurde vom Generalsekretär ihres Chors gefragt, ob sie mitfahren wolle. Während die Rekrutierung der Österreicher informell über das Netzwerk von Sebastian Kurz erfolgte, wurden die slowakischen Teilnehmer von ihren Universitäten nominiert. Veronika Vavrikova studiert in Bratislava Jus, zusätzlich dazu auch in Wien. Sie möchte später im Bereich slowakisch-österreichische Beziehungen arbeiten. Ob die Städte Partner seien, wie offiziell suggeriert? "Bratislava ist die jüngere Schwester", lächelt Vavrikova. In Wien fühle sie sich willkommen. Nicht erst, weil der trilaterale Ausflug nach einem Abstecher in der Slowakei mit einer Fahrt mit dem Twin City Liner an den Wiener Donaukanal fortgesetzt wird. Ganz ohne Blaulicht.