Offen sind aber auch noch weitere Details der Vereinbarungen der EU-Politiker. So ist noch nicht eindeutig, wie die sogenannten Hotspots funktionieren sollen. Diese Erstaufnahme- und Registrierungszentren, die laut EU-Kommission keine Flüchtlingslager darstellen sollen, werden in Italien und Griechenland eingerichtet. In Ungarn waren sie zwar auch vorgesehen, doch stieß das auf Ablehnung der Regierung in Budapest. Athen hingegen hat angekündigt, über die Schaffung eines Hotspots in der Hafenstadt Piräus hinauszugehen. Auf den Inseln Lesbos, Kos und Leros soll es ebenfalls solche Zentren geben.

Gemeinsame Abschiebungen?


Dort sollen die Ankommenden "identifiziert und registriert" werden, indem ihre Daten auf- und Fingerabdrücke abgenommen werden. Von dort aus sollen sie dann umgesiedelt werden, etwa in andere EU-Staaten - oder abgeschoben, wenn sie keinen Anspruch auf Asyl haben. Wie diese Rückführungen, die wohl zigtausende Menschen betreffen würden, aussehen sollen, ist aber ebenfalls noch nicht klar. Unter Umständen werden Griechenland und Italien dabei von anderen Ländern oder EU-Institutionen unterstützt. Die Hotspots selbst sollen jedenfalls bis November eingerichtet sein.

Die Entscheidung darüber, wessen Asylansuchen angenommen oder abgelehnt wird, soll den Behörden eine Liste sicherer Herkunftsländer erleichtern. Diese will die Kommission um Staaten wie Albanien, Montenegro, Mazedonien oder die Türkei erweitern. Bürger dieser Länder haben zwar weiterhin das Recht darauf, einen Antrag auf Asyl zu stellen, doch müssen sie mit einem schnelleren und meist negativen Bescheid rechnen. Bisher hatte jeder Mitgliedstaat eine eigene Liste, sie soll nun vereinheitlicht werden. Darüber beraten die Innenminister der EU Anfang Oktober.

Im deutschen Bundestag führte die Bundeskanzlerin all die Maßnahmen zusammen. Zur Bewältigung der Krise müssten alle Ebenen ineinander greifen: die nationalen, die EU- und die weltweiten Programme. Fluchtursachen wie Krieg, Armut und Klimawandel müssten auch global bekämpft werden, erklärte Merkel. Für Europa jedenfalls wünscht sie sich, dass der Kontinent "diese gesellschaftliche, ökonomische, kulturelle und moralische Bewährungsprobe besteht".