Wien/Berlin. Die Forderung nach einer getrennten Unterbringung von Flüchtlingen nach Herkunftsland und Religion gewinnt in Deutschland an Auftrieb. "Es ist traurig, dass eine Unterbringung der Flüchtlinge getrennt nach Herkunftsregion offensichtlich nötig ist", sagte Hans-Peter Friedrich, der stellvertretende Unionsfraktion-Vorsitzende im Bundestag, zur "Welt am Sonntag". Der Vize-Chef der Polizeigewerkschaft, Jörg Radek, spricht sich zudem für eine getrennte Beherbergung von christlichen und muslimischen Flüchtlingen aus. Der Auslöser für die Debatte sind Berichte über gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen in Asylheimen.

"Wir beobachten das mit erheblicher Sorge, dass es Gewalttätigkeiten gibt", hieß es seitens des deutschen Innenministeriums am Montag. Am Sonntag war es in Kassel-Calden in Hessen zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen 300 Albanern und 70 Pakistanern in einem Zeltlager für Flüchtlinge gekommen. Laut Polizeiangaben wurden dabei 14 Menschen verletzt, darunter drei Polizisten. Die streitenden Gruppen wurden am Montag getrennt - etwa 100 Pakistaner wurden in eine andere Unterkunft quartiert.

Zuvor war am Freitag in Leipzig ein Streit um die Benutzung der Toilettenanlage eskaliert: Rund 200 Flüchtlinge - darunter Syrer und Afghanen - gingen mit Latten, Tischbeinen und Bettgestellen aufeinander los. Ein Großeinsatz der Polizei konnte die Wogen wieder glätten. "Wenn da 4000 Menschen in einem Heim sind, das eigentlich nur 750 Plätze hat, dann führt diese Enge zu Aggressionen, wo selbst eine Winzigkeit wie der Gang zur Toilette zu einer Handgreiflichkeit führt", sagte Radek zur Zeitung "Die Welt". Durch die Solidarisierung unterschiedlicher Gruppen würde es vermehrt zu Massenschlägereien kommen.

Christen besonders betroffen

Insbesondere christliche Flüchtlinge werden laut deutschen Medienberichten immer wieder von radikalen Muslimen drangsaliert und bedroht. Algerische Asylwerber attackierten Mitte September in der sauerländischen Kleinstadt Hemer einen Eritreer und seine schwangere Frau, die beide ihr Taufkreuz um den Hals trugen. Zwischen Christen, Jesiden und Muslimen kam es in Ellwangen in Baden-Württemberg während des Ramadans zu einer Massenschlägerei. Zahlen, wie oft es zu solchen Übergriffen kommt, existieren allerdings nicht - meist wird die Religionszugehörigkeit der Flüchtlinge bei der Registrierung nicht erfasst.