Und warum sollte die EU bei einem solchen Plan mitmachen?

Vielleicht läge es im Interesse der EU, dass sich austrittswillige Staaten einer Organisation anschließen, die Teil des großen europäischen Binnenmarkts ist. Man könnte von einer Auffangfunktion sprechen. Eine Efta 2.0 müsste freilich weit über die alte Efta, der auch Österreich angehört hat, hinausgehen und ein Überwachungsorgan sowie einen Gerichtshof haben. Sie wäre breiter anzulegen als die gegenwärtige, aus Island, Liechtenstein und Norwegen bestehende, EWR/Efta.

Die Europäische Freihandelszone (Efta) wurde 1960 auf Initiative Londons als Gegengewicht zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) gegründet. Ziel der Efta sind die Förderung von Wachstum und Wohlstand in ihren Mitgliedstaaten sowie die Vertiefung des Handels. Mit dem Übertritt Dänemarks und des Vereinigten Königreiches zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft 1973 verlor die Efta an Bedeutung gegenüber der EWG und später der EU. Seit 2001 ist die
Efta eine Freihandelszone ohne politische Zielsetzung, seit 1995 gehören ihr nur noch Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz an. Die EU und die Schweiz regeln ihr Verhältnis durch bilaterale Verträge.

EFTA

Zur Person

Carl Baudenbacher,

geboren 1947 in Basel, Schweiz, ist seit 1995 Richter am Efta-Gerichtshof und seit 2003 dessen Präsident. 1987 bis 2013 war der Jurist Professor an der Universität St. Gallen HSG. Von 1993 bis 2005 unterrichtete er als Permanent Visiting Professor an der University of Texas School of Law.