Sarajewo. Der Ausgang des Referendums ist jetzt schon sicher. Am Sonntag werden sich die 1,2 Millionen Wahlberechtigten im serbischen Landesteil Bosnien-Herzegowinas dafür entscheiden, auch zukünftig am 9. Jänner ihren Nationalfeiertag zu feiern - an diesem Tag wurde 1992 die Republik Srpska ausgerufen. Damit stellen sich die bosnischen Serben gegen eine Entscheidung des Verfassungsgerichts und stellen das komplizierte Staatsgebilde Bosnien-Herzegowina vor eine schwere Belastungsprobe.

Die bosnischen Serben sollten sich dem gesamtbosnischen Feiertag am 25. November anschließen, entschied das Verfassungsgericht. An diesem Tag wird in Bosnien-Herzegowina der "Tag der Staatlichkeit" gefeiert, welcher auf den antifaschistischen Widerstand im Zweiten Weltkrieg zurückgeht. Die meisten bosnischen Serben ziehen es jedoch vor, ihren eigenen Nationalfeiertag zu begehen, weil sie sich mit dem Gesamtstaat Bosnien-Herzegowina nicht identifizieren. Dies stößt bei den Bosniaken auf Kritik, weil sie die Ausrufung der Republika Srpska mit dem Beginn des Bosnien-Krieges in Verbindung bringen. Die heutige deutliche serbische Bevölkerungsmehrheit in der Republika Srpska - sie stellt dort mehr als 80 Prozent der Bewohner - ist das Produkt von Vertreibungen und Massenmorden während des Bosnienkrieges.

Das Verfassungsgericht der Konföderation besteht aus neun Richtern. Jeweils zwei Bosniaken, Serben und Kroaten. Zudem sitzen drei internationale Richter im Verfassungsgericht. Wenn sich eine Gruppe mit den internationalen Richtern verständigt, kommt es bereits zu einer Mehrheit. Deswegen fühlen sich die bosnischen Serben zu Unrecht überstimmt und pochen auf ihr Recht, den "Tag der Republik" abzuhalten. Die bosnischen Serben haben Angst vor Fremdbestimmung, sollte ihr Teilstaat sich stärker in den Gesamtstaat Bosnien-Herzegowina integrieren.

Das Mitte Juli beschlossene Referendum ist die konsequente Umsetzung einer Los-von-Sarajewo-Strategie, die der Präsident der Republika Srpska Milorad Dodik schon seit 2006 verfolgt. Regelmäßig droht er mit der Abspaltung der serbischen Entität von Bosnien-Herzegowina. Nun will er sich mit Volkes Stimme Legitimation gegen die Entscheidung des gesamtstaatlichen Verfassungsgerichts holen.

Milorad Dodik, der Präsident der Republika Srpska, lasse das Referendum abhalten, "weil der Druck aus der internationalen Gemeinschaft zurückhaltend ist und er sich innenpolitischen Rückenwind für die Lokalwahlen am 2. Oktober holen will", sagt Florian Bieber, Leiter der Südosteuropastudien in Graz. Vor Wahlen in Bosnien und Herzegowina wird gerne die Kriegsrhetorik der 1990er aus der Schublade geholt. Die Medien in Sarajewo, Banja Luka und Belgrad spekulieren bereits über Vorbereitungen für einen neuen Krieg.