Paris. Nicolas Sarkozy mochte noch so deutlich auf seine Erfahrung als früherer Präsident (2007 bis 2012) bei der Lösung internationaler und nationaler Krisen pochen. Doch wie sehr der 61-Jährige am Donnerstag Abend auch die damalige Einheit als Team mit "Alain, Nathalie und Bruno" beschwor - seine einstigen Minister, die heute zu seinen erbitterten Rivalen geworden sind, wollten sich keineswegs mehr respektvoll hinter ihm einreihen. Stattdessen hielten sie ihm die gegen ihn laufenden Korruptionsverfahren, frühere Versäumnisse und Misserfolge vor. "Nicolas Sarkozy hat 2012 verloren", rief seine ehemalige Sprecherin Nathalie Kosciusko-Morizet, die einzige weibliche Bewerberin der Konservativen, in Erinnerung. "Wenn wir 2017 siegen wollen, müssen wir Wähler gewinnen, die nicht für ihn gestimmt haben." Auch Alain Juppé ging mit Sarkozys Politik hart ins Gericht.

Gut zwei Wochen vor dem ersten Durchgang der Vorwahlen am 20. November (der zweite folgt am 27. November) liegt Sarkozy in Umfragen deutlich hinter dem Ex-Premierminister. Auch bei der zweiten Fernsehdebatte der sieben Präsidentschaftsanwärter der konservativen Republikaner am Donnerstag Abend gelang es Sarkozy nicht, den bisherigen Trend umzukehren.

Während sich andere Bewerber wie Ex-Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire oder Sarkozys früherer Premier François Fillon bei dem Schlagabtausch nicht entscheidend abzuheben vermochten, konnte Juppé erneut mit der souveränen Gelassenheit des Favoriten punkten, der zwar nicht mitriss mit seinem Versprechen, Frankreich wieder Optimismus zurückzugeben - dem aber auch kein Faux-pas passierte. In einer Umfrage befanden 34 Prozent den 71-Jährigen am überzeugendsten gegenüber 24 bis 27 Prozent für Sarkozy.

Große Worte, kleine Taten

Je mehr Franzosen sich bei den Vorwahlen beteiligen, die nicht nur Parteimitgliedern, sondern allen Sympathisanten offenstehen, desto größer sind Juppés Chancen auf einen Sieg. Denn während er auch Linkswähler und Anhänger des politischen Zentrums anzieht, was ihm bereits die Unterstützung zugesichert hat, zielt Sarkozy mit einer harten Linie in der Sicherheitspolitik vor allem auf den rechten Flügel der Konservativen und sogar auf Anhänger des rechtsextremen Front National ab. So versprach er, Terrorverdächtigen mit doppelter Staatsbürgerschaft die französische Nationalität zu entziehen und Dschihad-Rückkehrer einzusperren.