Das Projekt ist mittlerweile so erfolgreich, dass viele Unternehmen als Sponsoren aufgesprungen sind. Es gibt Kooperationen mit staatlichen Stellen, wie dem Notdienst, der Polizei und dem Katastrophenministerium. Dabei geht es ihm aber überhaupt nicht um Politik, wird Grigorij nicht müde zu betonen. "Früher war ich der Meinung, dass der Staat alles regeln muss", sagt er. "Aber ich habe gesehen, dass er dem Problem schlichtweg nicht gewachsen ist." Der Aufbau eines nationalen Suchzentrums für Vermisste ist sogar in das föderale Regierungsprogramm mit aufgenommen worden. Wenn man so will, hat Grigorij den russischen Staat zumindest ein wenig verändert.

In Organisationen wie "Liza Alert" sehen manche Beobachter nichts Geringeres als einen gesellschaftlichen Wandel, um sich vom Versorgungsstaat zu emanzipieren. "Sie zeigen, dass sie effektiver sein können als der Staat", so die russische Schriftstellerin Olga Sedakowa. "Immerhin ist es viel bedeutender, wenn es jemandem gelingt, einige Kinder ohne die Hilfe des Staates zu retten, als einfach nur mit einem Plakat auf die Straße zu gehen."

Protest zum Widerstand
gegen Baupolitik angewachsen

Sind die Graswurzelbewegungen eine Möglichkeit, den Staat, der zunehmend autoritär auftritt und die Zivilgesellschaft mit repressiven Gesetzen gängelt, quasi von unten umzubauen? Die Hilfe für vermisste Kinder ist das eine, der Protest gegen ein teures Bauprojekt das andere. Denn im Park von Dubki beißen die Aktivisten weiterhin auf Granit. Nach dem Widmungsplan dürfte auf dem Grundstück eigentlich nur soziale Infrastruktur gebaut werden, sind die Aktivisten überzeugt - also eine Schule oder ein Kindergarten, aber kein privater Wohnkomplex mit 22 Stockwerken. Mit ihrer Klage sind die Aktivisten bisher in allen Instanzen abgeblitzt.

Auch Natalja hat sich vor einem Jahr dem Protest angeschlossen. Eine Premiere im Leben der 62-jährigen Pensionistin, die früher in einem Verlag gearbeitet hat und ihre Abende lieber auf dem Diwan verbrachte als bei Bürgerversammlungen. "Dadurch habe ich überhaupt erst gelernt, was meine Rechte sind", sagt sie. An einen Durchbruch im Fall Dubki-Park will auch Natalja nicht mehr richtig glauben. Laut Homepage sind bereits einige der 300 Wohneinheiten verkauft. Ans Aufhören denkt sie dennoch nicht.

Denn inzwischen geht es nicht mehr nur um die Bäume, sondern um Widerstand gegen die Moskauer Baupolitik. Mittlerweile demonstriert auch eine Freundin von ihr in einem Nachbarpark für mehr Grünflächen, die Proteste haben sich solidarisiert. Natalja zuckt mit den Achseln. "Wenn uns die Politik ignoriert, dann werden wir immer aktiver werden", sagt sie, "und immer mehr."