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Berlin/Wien. Die deutsche Bundeskanzlerin hat sich an die Spitze der CDU - und des Landes gekämpft. Dabei setzte sich Angela Merkel gegen Männer durch, die meist auch auf den machtreichen Posten schielten.

Merkels Aufstieg begann in einer der schwersten Krisen der CDU: der Spenden-Affäre. 1999 wurde aufgedeckt, dass unter der maßgeblichen Führung des viermaligen Rekordkanzlers und Parteivorsitzenden Helmut Kohl die CDU jahrelang Spendengelder annahm, ohne sie korrekt zu melden. Mit seinem "Ehrenwort" und der Weigerung, die Spender zu benennen, bescherte er seiner Partei einen großen Imageschaden. Zwar war Merkels politischer Ziehvater zur Zeit der Aufdeckung nur noch Ehrenvorsitzender der Partei, doch erst die klaren Worte der damaligen Generalsekretärin sorgten für die Abnabelung: "Die Partei muss laufen lernen, muss sich zutrauen, in Zukunft auch ohne ihr altes Schlachtross, wie Helmut Kohl sich oft selbst gerne genannt hat, den Kampf mit dem politischen Gegner aufzunehmen. Sie muss sich wie jemand in der Pubertät von zu Hause lösen, eigene Wege gehen." Kohl trat gekränkt zurück.

Kohl und Schäuble. - © dpa/M. Jung
Kohl und Schäuble. - © dpa/M. Jung

Auch Wolfgang Schäuble geriet ins Fahrwasser der Spendenaffäre. Als Partei- und Fraktionschef musste er 2000 zurücktreten. Merkel profitierte von der Krise ihres Chefs. Und beerbte ihn als neue - und erste - CDU-Parteichefin. Dass Merkel 2004 Schäubles Kandidatur zum Bundespräsidenten verhinderte, belastete ihr Verhältnis weiter. Doch Schäuble ist weiter loyal und pflichtbewusst und scheint ihr das nicht nachzutragen. Als Minister war er von 2005 bis 2017 eine wichtige Stütze Merkels.

Die Krisen anderer nutzen

Koch. - © dpa/Boris Roessler
Koch. - © dpa/Boris Roessler

Auch an Friedrich Merz zog Merkel vorbei. Der Wirtschaftsexperte der Union, der eine Steuerreform auf einem Bierdeckel entwerfen wollte, hatte Schäuble als Fraktionschef beerbt und suchte den Machtkampf mit seiner Chefin. Beide in der Doppelspitze schielten auf die Kanzlerkandidatur. Erneut klare Worte und die Unterstützung des CSU-Chefs Edmund Stoiber ließen Merz 2002 in die zweite Reihe zurückfallen und sicherten Merkel zusätzlich den Parteivorsitz. "Es ist ganz klar: Ich führe die CDU, Edmund Stoiber führt die CSU, Friedrich Merz führt die Bundestagsfraktion aus CDU und CSU", sagte Merkel. 2004 trat Merz als Fraktionsvize zurück. 2009 nahm er Abschied von der Politik.

Einen langen Atem haben

Merz. - © dpa/Andreas Zilse
Merz. - © dpa/Andreas Zilse

Viele unterschätzten Angela Merkel. Trotzdem schaffte sie es als erste Frau und Ostdeutsche in hohe Positionen der Partei. Doch noch heute gilt sie als zaudernd, leise und glänzt nicht mit Charisma. Damit hat sich jedoch auch Edmund Stoiber seinerzeit verschätzt. Obwohl Merkel 2002 klar ihr Interesse an einer Kandidatur zur Kanzlerin bekundete, konnte sich der bayerische Ministerpräsident durchsetzen. Stoiber trat gegen Gerhard Schröder von der SPD als Kanzlerkandidat der Unionsparteien an - und verlor. Das Siegerimage des Bayern war angekratzt. Merkels größter Konkurrent brachte sich damit selbst ins Aus. Strategisch half Merkels Zurückhaltung ihr zum Wahlsieg 2005. Den angebotenen Posten als Super-Wirtschaftsminister in ihrem Kabinett lehnte Stoiber ab.

Roland Koch galt ebenfalls in CDU-Kreisen als geeigneter Kanzlerkandidat. Der konservative Hardliner bekam aber keine Chance auf eine Spitzenposition. Gleichzeitig ließ er sich aber auch nicht mit einem Posten in Merkels Kabinett abspeisen. Beide spielten auf Zeit - Koch verlor. Der Hesse rettete sich in Loyalitätsbekundungen: "In einer großen Volkspartei ist der Führungsstil, den Angela Merkel pflegt, alternativlos." Jüngst bröckelt diese aber leicht, es scheint, als gäbe es da noch ein Huhn zu rupfen: Der Befürworter einer Minderheitsregierung nach dem Jamaika-Misserfolg, macht Druck auf die Kanzlerin: "Sie schulden den Wählern eine Antwort auf die Frage, welches die nächste Generation ist, die Verantwortung übernimmt", kritisiert er Merkel im Februar dieses Jahres öffentlich.

Auch Norbert Röttgen wollte zu viel. Der einstige Musterschüler Merkels kokettierte mit der Kanzlerschaft und konnte sich zwischen Berlin und Nordrhein-Westfalen nicht entscheiden - und verlor beides. Nach einer Wahlschlappe im Bundesland entließ Merkel den Mann, der für sie als Umweltminister ihr Vorzeigeprojekt der Energiewende voranbringen sollte in einer Blitzaktion, noch bevor dieser eine Chance zum Rücktritt erhält.