Wien. Dass viele Gemeinden Schwierigkeiten mit der hausärztlichen Versorgung haben, ist hinlänglich bekannt. Dass sich das Problem durch die Alterung der Gesellschaft und durch eine bereits laufende Pensionierungswelle unter Allgemeinärzten weiter verschärfen wird, ist ebenso kein Geheimnis. Hinzu kommt, dass es für junge Ärzte wenig attraktiv zu sein scheint, auf dem Land eine Praxis zu übernehmen, geschweige denn eine zu eröffnen. Ablesen lässt sich das etwa an der Planstellenvergabe der steirischen Ärztekammer. Ob im Bezirk Murtal, Voitsberg oder Deutschlandsberg: Für entlegene Gebiete finden sich keine Bewerber.

Selbst eine Wien-nahe Gemeinde wie Altlengbach in Niederösterreich musste 100.000 Euro für Ordinationsausstattung berappen und 5700 Ärztinnen anschreiben, um eine Ärztin für eine Stelle zu finden, die seit 2015 unbesetzt war, schrieb Daniel Kosak, Sprecher der Umweltministerin Elisabeth Köstinger und Vizebürgermeister von Altlengbach, auf Twitter.

Im Parlament vergab man vergangene Woche die Chance, einer Antwort auf die Frage näher zu kommen, wie man den Ärztenachwuchs aufs Land bringt. Dort waren Hausärzte zwar ein großes Thema. Herausgekommen sind aber bloß Schuldzuweisungen. SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner warf Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein vor, das Problem nicht anzugehen. Diese kritisierte ihre Vorgängerin, selbst säumig gewesen zu sein.

Des Kanzlers leise Forderung

Der Chef des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger, Alexander Biach, erinnert nun die Regierung an ihre Forderung nach Landarztstipendien und fordert eine gemeinsame Finanzierung von Bund, Ländern und der Sozialversicherung.

Vor seiner Amtszeit als Kanzler kündigte Sebastian Kurz die Stipendien an. Die Ankündigung schaffte es zwar ins Arbeitsprogramm der Regierung, näher ausgeführt wurde die Idee seither aber nicht mehr. Das zuständige Gesundheitsministerium schweigt dazu.

Die Stipendien folgen einer langjährigen Idee aus Deutschland, die in den dortigen Bundesländern unterschiedlich ausgestaltet ist, aber einem Grundsatz folgt: Die Länder zahlen dem Ärztenachwuchs bis zu 1000 Euro pro Monat während des Studiums und im Gegenzug verpflichtet sich dieser, nach dem Studium in einem unterversorgten Gebiet des jeweiligen Bundeslandes als Hausarzt zu arbeiten. Die Stipendienanzahl ist auf etwa 20 Studenten begrenzt und die verpflichtenden Arbeitsjahre liegen bei bis zu sechs Jahren. Aber auch in Deutschland ist der Hausärztemangel virulent.