Diese Entwicklung könnte durch die neue Schulautonomie sogar verstärkt werden. Bisher funktionierte die Zuteilung der Lehrer an die einzelnen Schulen weitgehend zentralisiert über die Landesschulräte (heute: Bildungsdirektionen). Künftig sollen sich die Schulen die Lehrer vermehrt selbst aussuchen dürfen. "Somit kann es zu einer Verstärkung der ungleichen Verteilung von Lehrkraftqualität kommen", heißt es in der Studie.

Mögliche Gegenmaßnahmen wären höhere Gehälter für den Unterricht an benachteiligten Schulen, bessere Arbeitsbedingungen an diesen Standorten sowie Mentoring für Junglehrer.

Die skandinavischen Länder hätten es bereits vorgemacht, sagt dazu Bildungsexperte Stefan Hopmann zur "Wiener Zeitung". "Dort hat man, von den Kindergärten angefangen, in Problemstandorte investiert." Und zwar nicht unbedingt in finanzieller Hinsicht, sondern vielmehr, was neue Unterrichtsformen wie das Lehren in flexiblen Gruppen betreffe.

Ganztagsschule vor
allem für Bessergestellte

Der Schlüssel zur Kompensation unterschiedlicher Bildungsniveaus könnte die Ganztagsschule sein. Könnte. Denn aktuell erfülle sie diesen Auftrag noch nicht, sagte Martin Netzer, Generalsekretär im Bildungsministerium. "Wo Ganztagsschulen immer schon gut verankert waren, waren die katholischen Privatschulen. Das ist unsere Ausgangslage, überspitzt formuliert, und jetzt kommen wir erst in die Breite." Tatsache ist laut Bildungsbericht, dass ganztägige Schulformen vor allem im städtischen Bereich genutzt werden - und dort hauptsächlich von Kindern höher gebildeter und beruflich bessergestellter Eltern.

In Wien zum Beispiel werden derzeit Kinder mit zwei berufstätigen Elternteilen bei der Platzvergabe bevorzugt. Damit hat man laut Eder zwar erreicht, Frauen früher in die Berufstätigkeit zurückzubringen. Es würden aber auch genau jene Familien ausgeschlossen, in denen der kompensatorische Effekt am notwendigsten wäre, so Netzer. "Wir erwischen zum Beispiel jene Familien mit Migrationshintergrund, wo die Frau zuhause ist, nicht." Diese Regelung bei der Platzvergabe soll laut Netzer mit der geplanten Novelle des Bildungsinvestitionsgesetzes, das den Ganztagsschulausbau ab 2020 neu regelt, fallen, damit der soziale Ausgleich besser gelingt.