Wäre ein Abtausch Ostermontag gegen Karfreitag denkbar, um der Wirtschaft entgegenzukommen?

Es sind mehrere gute Varianten denkbar. Wichtig ist, wieder den Gesprächsfaden aufzunehmen.

Was sagen Sie jenen, die Religion zur Privatsache erklären wollen?

Dass sie auch ihr Leben um vieles ärmer machen würden, nämlich an Vielfalt. Es würde einfach urfad werden, wenn Religion im öffentlichen Raum nicht mehr sichtbar wäre, wenn es diese Traditionen nicht mehr gäbe. Und man würde sich auch von einem großen Teil des kulturellen Erbes verabschieden und viele Dinge gar nicht mehr verstehen. Ich finde Atheismus als Gegenüber interessant - in Österreich ist er nur manchmal unterkomplex.

Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen ist wieder in die evangelische Kirche eingetreten. Hilft Ihnen das als Bischof?

Seine Heimkehr ist eine große Freude, so wie bei jedem, der zu uns oder zurückkommt. Wir wissen, dass die evangelische Kirche sehr hohe Sympathiewerte hat, und zwar bei den Mitgliedern, aber auch bei Menschen, die mit ihr gar nichts zu tun haben und - noch überraschender - bei jenen, die ausgetreten sind.

Warum sind sie dann ausgetreten?

Da gibt es verschiedene Gründe, zum Beispiel den Kirchenbeitrag. Wir müssen jedenfalls dioe Kommunikation verstärken, um diese Menschen wieder einzuladen. Weil wir etwas zu bieten haben, was die Gesellschaft einfach braucht: eine Gemeinschaft, die alle einschließt, für alle offen ist. Da sind vor allem die Pfarrerinnen und Pfarrer gefordert, aber natürlich auch der Bischof.

Wie politisch ist das Bischofsamt? Soll die (evangelische) Kirche politisch mitmischen?

Das Evangelium wirkt in die Welt hinein. Wir sind nicht dazu da, es als geheimen Schatz zu hüten, der nur uns gehört, sondern wir haben eine Verantwortung für die ganze Gesellschaft. Wir äußern oder engagieren uns aber nie parteipolitisch, das ist eine sehr gute österreichische Tradition seit Kardinal Franz König, der die Äquidistanz geprägt hat. Das heißt, die Parteien bestimmen selbst ihren Abstand zum Evangelium und zu den Kirchen. Die evangelische Synode sagt seit Ende der 1980er in der Flüchtlingsfrage, im Umgang mit Fremden immer dasselbe: Für uns ist zentral und steht in der Bibel - die als Buch von Flüchtlingen für Flüchtlinge geschrieben wurde -, dass man Fremde gut behandeln soll. Da gibt es keinen Interpretationsspielraum für uns. Deshalb kümmern wir uns als Kirche um Fremde. Es gibt keine Pfarrgemeinde, die sich nicht engagiert.

Auch, weil der Staat zu viel auf Diakonie & Co. abwälzt?