Bei der EU-Wahl 2014 hat das Parlament bereits am Montag nach der Wahl einen Vorschlag an die Regierungschefs der Mitgliedstaaten übermittelt. Alle Delegationen und Fraktionen werden noch vor den Regierungschefs tagen und sich absprechen. Das neue Parlament ist ab dem Tag nach der Wahl politisch handlungsfähig. Und Sie dürfen eines nicht vergessen: Egal, wie der Personalvorschlag des Rats ausfällt, die letzte Entscheidung über die Zusammensetzung der Kommission und den neuen Präsidenten, liegt beim Parlament. Ich glaube aber nicht, dass der Rat schon am 28. Mai konkrete Personalvorschläge machen wird.

EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber hat erklärt, dass er sich nicht mit den Stimmen der Rechtsaußen und Nationalisten zum Kommissionschef wählen lassen will. Soll es einen allgemeinen "Cordon Sanitaire" um diese Gruppe geben?

Wenn wir die EU effizienter, demokratischer und handlungsfähiger machen wollen, dann müssen wir auf eine Koalition der Mitte bauen. Es darf keine Koalition mit den Extremisten von rechts und links geben, deren Ziel es ist, die Union zu zerstören.

Die Medien sind voll von Geschichten über Ihr gespanntes Verhältnis zu Kanzler Kurz. Wie würden Sie selbst dieses beschreiben?

Unser Verhältnis ist einwandfrei und gut. Sebastian Kurz und ich kommen aus dem selben Stall, wir waren beide Obmänner der Jungen Volkspartei. Im Übrigen bin ich sehr dagegen, die Beurteilung von menschlichen Beziehungen allein davon abhängig zu machen, ob man in einzelnen Fragen immer einer Meinung ist. Mir sind starke Persönlichkeiten lieber, die miteinander fair, offen und ohne Verletzungen diskutieren können.

Und zwischen Ihnen beiden gibt es keine Verletzungen?

Nein, die gibt es nicht. Ohne Sebastian Kurz wäre ich jetzt nicht Spitzenkandidat der ÖVP.