Wien. Für den Kommunikationsund Strategiechef in der SPÖ-Zentrale in der Wiener Löwelstraße, Stefan Hirsch, steht seine echte Feuertaufe gerade bevor. Seine Aufgabe ist es, mit ausgedünnten Parteikassen auf den zu Ende gehenden EU-Wahlkampf eine Kampagne für die Nationalratswahl aufzusetzen. Ihm und seinem kleinen Team steht eine scheinbare Übermacht zentral gesteuerter Presse- und Kommunikationsleuten rund um Sebastian Kurz in Regierung und ÖVP gegenüber.

Dennoch ist Hirsch in seiner Rolle zuversichtlich. Der ehemalige Kommunikationschef aus dem Stall des früheren Ministers und jetzigen Landeshauptmanns im Burgenland, Hans Peter Doskozil, fungiert auch als Transmissionsriemen zur jetzigen (Partei)Chefin Pamela Rendi-Wagner. Trotz des überfallsartigen Ausbruchs des Wahlkampfs sieht er sich in der Rolle des David gegen Goliath: "Auch 2006 hat niemand damit gerechnet, dass wir an Wolfgang Schüssel vorbeiziehen." Damals war Hirsch im Team des späteren Kanzlers Alfred Gusenbauer.

"Es muss uns nur gelingen, aus unserer Erzählung eine Bewegung entstehen zu lassen. Wir stellen den Führungsanspruch", sagt der Parteistratege. "Es wäre ein Fehler, uns abzuschreiben."

Auch wenn es noch keine ausreichenden Mittel und kein fixes Team gibt, "die Geschichte" für die Wahlkampagne ist schon vorbereitet: Kanzler Kurz trage die Verantwortung für die nun entstandene "Staatskrise". Wider besseren Wissens und "trotz Warnungen" habe er sich auf das Experiment mit der FPÖ eingelassen. Nach SPÖ-Sicht gehe es Kurz um Machterhalt und Posten. Selbst bei seiner Erklärung am Samstag habe er "Staatsräson vermissen lassen und eine Wahlkampfrede gehalten".

Transportieren will Hirsch diese Botschaften nicht zuletzt über das neu aufgebaute Social Media-Netz der Partei. Dieses soll demnächst um eine "Video-Unit" verstärkt werden. Und der Mitarbeiterstab auf allen Ebenen der Partei soll "mehr redaktionelles Mediendenken" erlernen.

Inhaltlich setze die SPÖ auf ein "Miteinander". Pamela Rendi-Wagner "lebt Verantwortung und steht dafür". Hingegen "macht Kurz ein Pokerspiel und Österreich ist sein Spielball".

Für Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer (OGM) erscheinen eine neue SPÖ-Strategie und der Schwenk weg vom bisherigen "Hauptfeind" FPÖ logisch: "Mit dem Einbruch der FPÖ zieht das bisherige Bedrohungsbild von rechts nicht mehr so gut für die Mobilisierung. Statt dieses Abwehrreflexes braucht es eine neue Erzählung. An die Stelle der FPÖ trete nun Sebastian Kurz.

Für den ehemaligen SPÖ-Funktionär und nunmehrigen Politik-Berater Josef Kalina ist entscheidend "wie es heute gelingt, mit einer Erzählung die redaktionellen Seiten zu besetzen". In Österreich seien letztlich auch die TV-Konfrontationen "mitentscheidend." Plakate und Materialschlachten wären heute nicht mehr so wichtig. Eine "Untergrenze von vier Millionen Euro" an Mitteln werde wohl in jedem Fall nötig sein.