Wien. (ett) Knapp fünf Prozent der Schüler haben die Zentralmatura in Mathematik heuer nicht geschafft. Damit sind die Ergebnisse in Mathematik wesentlich besser ausgefallen als im Vorjahr. Da gab es bei den schriftlichen Klausuren 22 Prozent Nicht genügend. Dabei waren heuer die Mathematikergebnisse in den AHS-Langformen bundesweit besser als an Oberstufenrealgymnasien.

Während die neue Bildungsministerin Iris Rauskala bei der Präsentation der Ergebnisse der Zentralmatura am Dienstag damit auf eine Trendumkehr in Mathematik hofft, setzte sich im Bundesländervergleich ein Trend der vergangenen Jahre fort. Die Maturanten in Oberösterreich schnitten in Allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) in Mathematik mit 10,7 Prozent Sehr gut am besten ab, vor Salzburg mit 9,4 Prozent. Allerdings gab es in Salzburg mit 7,6 Prozent Fünfern neben Wien mit 6,5 Prozent die meisten Nicht genügend in Mathematik in den AHS. Wien hinkt im Bundesländervergleich hinterher. Denn mit zusätzlich 35,3 Prozent Genügend wurde nach den gesammelten Daten des Bildungsministeriums das österreichweit schlechteste Ergebnis bei der heurigen Zentralmatura verzeichnet.

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Ähnlich ist das Bild an den Berufsbildenden höheren Schulen (BHS). Oberösterreich liegt dabei in Mathematik mit 8,1 Prozent Sehr gut knapp vor der Steiermark mit 8,0 Prozent Sehr gut. Die meisten Nicht genügend wurden in Wien mit 6,6 Prozent verzeichnet.

In Wien ist der Andrang in die Gymnasien stärker

Als Gründe für die Vorreiterrolle Oberösterreichs werden genannt: Das Bundesland habe sich sehr gut auf die Zentralmatura vorbereitet. Weiters drängen in Oberösterreich weniger Schüler in die AHS (weil Schulabgänger der früheren Hauptschulen und der jetzigen Neuen Mittelschulen dort geschätzt werden). In Wien flüchten hingegen viele Schüler vor Neuen Mittelschulen in die Gymnasien.

In den AHS schafften bundesweit 98,2 Prozent die Zentralmatura in Englisch. In Deutsch haben in den AHS 98,8 Prozent der Schüler die Zentralmatura positiv absolviert. In Mathematik schnitten die Burschen deutlich besser ab, in Deutsch die Mädchen.

Ein "Anwalt" für mehr Literaturunterricht in Schulen

Bei den Berufsbildenden höheren Schulen fiel die Mathematik-Zentralmatura in HTL deutlich besser aus als an HLW. Der Leiter des Forums Zentralmatura, Wiens Ex-Stadtschulratspräsident Kurt Scholz, lässt zwar wie die Neo-Ministerin nicht an der Zentralmatura rütteln, trat aber für eine weitere Differenzierung ein, weil Mathematik je nach Ausrichtung der BHS unterschiedlich lang unterrichtet wird. Ministerin Rauskala legte sich da jedoch nicht fest.

Scholz brach außerdem eine Lanze (er sei "Anwalt") für eine "Rekulturalisierung" des Literaturunterrichts in den Schulen. Er teilte damit die Kritik heimischer Schriftsteller, dass Literatur im Unterricht zu kurz komme.

Klar ist der Standpunkt der Ministerin zu Konsequenzen nach der "Spuckaffäre" an der HTL Ottakring. Sie wandte sich gegen Pläne des Wiener Bildungsdirektors Heinrich Himmer, der ab dem neuen Schuljahr eine dreimonatige Probezeit für neue Lehrer und leichtere Kündigungen in der Zeit will. "Es ist aus jetziger Sicht nicht möglich", sagte die Ministerin. Dafür müsste es Änderungen im Bundesgesetz geben.

Hingegen wird das Vorhaben von Ex-Bildungsminister Heinz Fassmann, 250 Millionen Euro für die Nachmittagsbetreuung locker zu machen, noch umgesetzt. ÖVP und FPÖ wollen das mit einem Initiativantrag jetzt im Parlament beschließen.