Wien. Dietmar Tschiggerl ist Landwirt in Halbenrain, wenige Kilometer von Bad Radkersburg und der steirisch-slowenischen Grenze entfernt. Mit seiner Frau baut er Saatgut, Kürbis und Weizen an, den speziellen Vulkanlandweizen. "Man merkt, dass sich etwas verändert, wenn man 50 Jahre in der Gegend wohnt", sagt er. Er meint das Klima, das dieser Region in der Südoststeiermark einen überdurchschnittlichen Temperaturanstieg bescherte.

Die Recherche-Plattform "Addendum" hat regionale Werte aus dem Spartacus-Projekt herausgelesen. Dabei handelt es sich um einen Datensatz, der die räumliche Verteilung der täglichen Lufttemperatur in Österreich seit 1961 umfasst. Mit diesen Daten lässt sich zeigen, wie sich das Klima in jeder einzelnen Gemeinde des Landes verändert hat. Und die Daten bilden auch die Basis für Zukunftsprognosen.


Halbenrain, 1750 Einwohner, hat es in der Steiermark auf Platz eins geschafft, gemeinsam mit der Nachbargemeinde Bad Radkersburg. Und auch im Vergleich mit anderen Bundesländern ist Halbenrain weit oben. Die Forscher haben die mittlere Höchsttemperatur der Monate Juni, Juli und August der Jahre 1971 bis zum Jahr 2000 mit jenen von 2008 bis 2018 gegenüber gestellt. Für Halbenrain ergibt sich ein Temperaturanstieg um zwei Grad. Zur Erinnerung: Bei der Klimakonferenz in Paris hatte sich die Weltgemeinschaft darauf verständigt, die globale Erwärmung mit zwei Grad (Durchschnittstemperatur) zu begrenzen. Doch sie steigt eben nicht überall gleichmäßig an, auch innerhalb Österreichs.

Deutlich mehr Tage mit 30 Grad und mehr

"Wenn ich an meine Kindheit denke, da gab’s noch Hochwasser bei der Mur. Das gibt es gar nicht mehr", sagt Tschiggerl. Auch beim Grundwasserstand merke man die Veränderungen. Dieser Umstand stellt die Gemeinde auch vor nachhaltige Herausforderungen. Tschiggerl ist nicht nur Landwirt, sondern auch Bürgermeister von Halbenrain und Obmann des regionalen Wasserverbandes. Vor Jahren wurde deshalb investiert und Maßnahmen gesetzt, um zu verhindern, dass irgendwann das Trinkwasser ausgeht. Die Brunnen speisen die Anschlüsse von insgesamt 100.000 Menschen.

"Es verschiebt sich vieles, und die Natur kommt nicht nach."

Dietmar Tschiggerl, Bürgermeister in Halbenrain

Grundsätzlich, sagt Tschiggerl, sei die Region mit ihrem Klima gesegnet. Sie komme der kleinbäuerlichen Struktur entgegen, da es lange im Jahr Taubildung gebe. "Das hält die Vegetation aufrecht." Dennoch: "Es verschiebt sich vieles, und die Natur kommt mit diesen Riesenschritten nicht nach", sagt der Bürgermeister. Vor wenigen Jahren war die Südoststeiermark von Spätfrost schwer getroffen. Die Pflanzen trieben früh aus, dann folgten zwei Frostnächte und große Teile der Obsternte waren vernichtet.