Der Blick in die Zukunft verheißt auch keine Linderung für Halbenrain. Schafft es die Welt, die Klimaziele von Paris zu erreichen, ergibt sich für Halbenrain ein Anstieg der Durchschnittstemperatur von 0,82 bis 1,55 Grad Celsius sowie, in der fernen Zukunft (2071 bis 2100), um weitere 0,6 bis 1,6 Grad. Aber das ist die optimistische Variante. Sollten die Treibhausgasemissionen gleich bleiben, kommen laut den Berechnungen bis zum Jahr 2050 bis zu 1,9 Grad hinzu. Und in der fernen Zukunft wird es überhaupt dystopisch: bis zu 5,7 Grad mehr.

Lunz am See und andere Gemeinden der Region wie Göstling oder Gaming gehören zu jenen, deren Temperaturanstieg noch im Rahmen bleibt. - © Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, Adolf Riess
Lunz am See und andere Gemeinden der Region wie Göstling oder Gaming gehören zu jenen, deren Temperaturanstieg noch im Rahmen bleibt. - © Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, Adolf Riess

Das "Addendum-Team" hat auch die Zahl der Hitzetage ausgewertet. Diese sind fühlbarer als die Erhöhung eines Mittelwertes, und sie haben auf das tägliche Leben einen großen Einfluss. "In der Mittagshitze sieht man wenige Leute auf der Straße."

Für Halbenrain werden für die Vergangenheit 10 solche Hitzetage mit 30 Grad und mehr angegeben. Für das positive Szenario, also die Einhaltung der Paris-Ziele, wurden 11 bis 21 Hitzetage berechnet. Das ist natürlich eine große Bandbreite. Sie rührt daher, dass dies der Bereich ist, in den 80 Prozent aller berechneten Projektionen fallen. Das heißt, 10 Prozent der Projektionen sind niedriger, 10 Prozent höher. Während auch die ferne Zukunft im Paris-Szenario ähnlich ist, könnten es bis 2100 bis zu 55 Tage über 30 Grad haben.

Dass diese extrem heißen Tage mehr werden, fällt Tschiggerl schon jetzt auf. "30 Grad sind im Sommer fast schon normal. Und was wirklich unerträglich wird, ist, dass die Nachttemperaturen so hoch sind. Wenn es über 20 Grad bleibt, ist das für den Kreislauf eine ordentliche Belastung." Und der Bürgermeister ergänzt: "Auch für die Infrastruktur. Es gibt Verwerfungen an den Straßen, und es ist ein Problem im Abwasserbereich."

Ybbstaler Alpen als Profiteur der Erwärmung

Wie die Südoststeiermark ist auch das Burgenland, vor allem die Gemeinden nördlich am Neusiedler See in jener Zone, die bereits jetzt einen überdurchschnittlichen Temperaturanstieg verzeichnen, ebenso das Weinviertel.

Für die Südoststeiermark, die sich auch als touristische Destination gefunden hat, werden sich für die Sommermonate vielleicht neue Fragen auftun - Fragen, die die Region der Ybbstaler Alpen gerade beantwortet. Auf der Website des Tourismusverbandes wird die "Kühle Oase Ötscher" beworben. Wenn es an Freitagen in Wien und St. Pölten über 30 Grad bekommt, kann man um die Hälfte auf den Ötscher mit dem Sessellift fahren und sogar eine Nacht gratis im Ötscherschutzhaus verbringen.

Herbert Zebenholzer, Geschäftsführer der Ybbstaler Alpen, berichtet von "steigenden Nächtigungszahlen". Die exakten Zahlen für diesen Sommer kommen zwar erst in ein paar Wochen, doch es zeichnet sich ein klares Plus im Vergleich zum Vorjahr ab. "Intensiv spüren wir das seit zwei, drei Jahren", sagt Zebenholzer. In dieser Region des Mostviertels beginnen die höheren Alpen, dazu gibt es für die rasche Abkühlung den Lunzer See, einen der kältesten Seen im Land.

"Intensiv spüren wir seit zwei, drei Jahren ein Nächtigungsplus."

Herbert Zebenholzer, Geschäftsführer Ybbstaler Alpen

Für die Region ist das auch eine Perspektive. "Wir haben vor Jahren Zimmervermieter gesucht, und haben in fast jedem Ort jemanden bekommen. Es gibt auch wieder Übergaben", sagt Zebenholzer. Auf einmal kann sich die nächste Generation vorstellen, dass der Tourismus in der Region eine Zukunft hat. Sogar größere Hotelprojekte werden erwogen, Investoren sind dem Vernehmen nach interessiert.