Alpbach. "Eine Frau in Tirol kann erwarten, dass sie zehn Jahre länger gesund lebt als eine im Burgenland." Gesundheitsökonomin Maria Hofmarcher nennt ein besonders drastisches Beispiel, um deutlich zu machen, dass es in Österreich massive Unterschiede beim Gesundheitszustand der Bevölkerung sowie der Leistungskraft regionaler Gesundheitssysteme zwischen den Bundesländern gibt.

Eine Erklärung dafür: "Es gibt einen Zusammenhang zwischen Wohlstandsniveau und Gesundheit", analysiert die Expertin. Das betreffe das Bruttoregionalprodukt. In Vorarlberg komme "eine hohe Neigung" zu privaten Ausgaben für Gesundheitsausgaben dazu. "Wien hat ganz besondere Risikofaktoren", betont Hofmarcher, dazu zählen höhere Arbeitslosigkeit und ein hoher Anteil armutsgefährdeter Menschen.

Ökonomin für "Ambulanztopf"

Welche Ergebnisse das gesundheitliche Leistungsbild im Detail erbracht hat? Das dritte, mehr als hundert Seiten starke Factbook zur "Leistungskraft regionaler Gesundheitssysteme", zu dem Hofmarcher und Kollege Christopher Singhuber jede Menge Daten zusammengetragen haben, wurde im Rahmen der Gesundheitsgespräche beim Europäischen Forum Alpbach vorgestellt. Unterstützt wurde das Projekt von Philips Austria.

Aufhorchen lässt das Factbook mit einer Schätzung zum Finanzierungsbedarf der Spitäler. Demnach werden sich die Ausgaben für die Krankenhäuser insgesamt von 12,3 Milliarden Euro 2015 auf nominell 24,6 Milliarden Euro bis 2030 erhöhen. Pro Kopf steigen die jährlichen Kosten für den stationären Bereich nach dem geschätzten Finanzbedarf nominell von 1425 Euro 2015 auf 2780 Euro pro Kopf im Jahr 2030.

Hofmarcher tritt dafür ein, einen "Ambulanztopf" zu schaffen. In diesen sollten für ambulante Versorgung außerhalb der Spitäler, Spitalsambulanzen und auch mobile Pflege insgesamt 7,5 Milliarden Euro fließen. Sie halte den "Umbau der Finanzierung" für wichtiger als den gerade laufenden Umbau der Kassen, sagte sie. Die Bundesländer im Vergleich:

Burgenland: Das östliche Bundesland hat laut Factbook "im österreichischen Vergleich einige gesundheitliche Probleme". Die Lebenserwartung in guter Gesundheit sei "am niedrigsten von allen Ländern und erreicht etwa 63 Jahre". Das Burgenland habe starke Risikofaktoren wie Probleme beim Körpergewicht. Trotzdem seien die Kosten des Gesundheitssystems unterdurchschnittlich. Pro Kopf werde weniger für ambulante und stationäre Pflege ausgegeben, die Ausgaben für Arzneimittel seien hingegen hoch.