Für Seifert wäre ein Bäcker in seiner Gemeinde ein Traum. Die Wirklichkeit besteht vor allem aus höher werdenden Kosten. Es ist ein Fakt, dass die Gemeinden immer mehr schultern müssen. "Wir würden ja gern den Kindergarten vergrößern, aber das kostet 700.000 Euro", sagt er. In zahlreichen Gemeinden in Österreich wurden in den vergangenen Jahren Senioren- und Pflegeheime errichtet, Kindergärten mussten erweitert und Horte eingerichtet werden. Einerseits ändern sich die Bedürfnisse der Bevölkerung, andererseits gibt es aber auch bundespolitische Entscheidungen, die von Gemeinden (teilweise) finanziert werden müssen. So hat etwa auch das Regressverbot, das vor der Nationalratswahl 2017 beschlossen wurde, die Gemeinden belastet (der Bund sicherte später Zahlungen zu).

Zusammenarbeit notwendig

Dazu muss auch die bestehende Infrastruktur erhalten werden. Die Wasserleitungen, der Fußballplatz, das Schwimmbad und so weiter. Ein Schwimmbad hat es in Stetten nie gegeben. Immerhin eine Sorge weniger. Das Berndl-Bad in Korneuburg ist zudem sehr nahe. Ein Schwimmbad wäre für Stetten auch gar nicht zu finanzieren. Das zeigt ein Blick nach Korneuburg, das zuletzt eine Verlustabdeckung von rund 450.000 Euro für das Hallen- und Freibad ins Budget schreiben musste. Das entspricht der Hälfte der gesamten Grundsteuereinnahmen Korneuburgs.

Es gibt mittlerweile etliche Bereiche der Daseinsvorsorge und Infrastruktur, die für kleine, aber auch etwas größere Gemeinden nicht alleine zu finanzieren sind. Natürlich wäre es sinnvoll, dass sich mehrere Gemeinden ein Schwimmbad teilen, im Fall des Berndl-Bads ist aber nur Bisamberg mit 20 Prozent beteiligt. In der Realität erweist sich die Zusammenarbeit mehrerer Gemeinden oft als schwierig. Es gibt sie, auch in Stetten, und es geht auch gar nicht mehr ohne. Allerdings gibt es in Sachen interkommunaler Zusammenarbeit noch sehr viel Luft nach oben.

Mehr Kinder als früher

Stetten hat mit mehreren Gemeinden ein Verkehrskonzept erarbeitet, gemeinsam betreibt man ein Anrufsammeltaxi, nachdem es keinen öffentlichen Verkehr mehr gibt, der den heutigen Mobilitätsanforderungen entspricht. Ein Regionalentwicklungsverband von insgesamt zehn Gemeinden ("Zehn vor Wien") arbeitet seit Jahren im Sinne der gesamten Region, daraus entstanden ist etwa auch die "Fossilienwelt", ein archäologisches Museum am Ortsrand von Stetten. Es liegt inmitten des Gewerbegebietes, das man sich mit der Nachbargemeinde Tresdorf teilt. Aber das ist eher ein gutes Neben- als ein echtes Miteinander.

Denn interkommunale Zusammenarbeit in ihrer letzten Ausbaustufe hieße auch eine gemeinsame Raumplanung samt Aufteilung der Kommunalsteuern. Schließlich soll möglichst sparsam mit kostbarem Boden und Natur und möglichst effizient mit öffentlichen Geldern umgegangen werden. Es gibt einige solcher Beispiele, etwa in Osttirol in der Region Lienz, aber sie sind rar. Es wäre tatsächlich eine riesige kommunalpolitische Veränderung, eine sinnvolle und mittlerweile auch notwendige.

Die Veränderung, die Stetten erlebt hat, ist keine negative. "Man sieht wieder mehr Kinder", erzählt Heurigenwirtin Andrea Wiedeck. Und Ehemann Johannes Wiedeck sagt: "Bei manchen Siedlungen ist es vielleicht zu schnell gegangen, aber es hat sicher was gebracht." An diesem Montag ist sein Heuriger auch fast bis auf den letzten Tisch gefüllt. Adelheid Pfaffl, die mit ihrem Mann das gleichnamige Weingut im Ort aufgebaut hat, das größte in Stetten, schwärmt geradezu: "Man fühlt sich hier schon sehr wohl. Und jetzt kommt Leben hinein."