Sie standen bei der konstituierenden Sitzung des Nationalrats am Mittwoch bei der Wahl durch die neugewählten Parlamentarier ganz besonders im Mittelpunkt. Mit der neuerlichen Kür des bisherigen Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotka (ÖVP) mit 88,7 Prozent Zustimmung, der Wiederbestellung der Zweiten Präsidentin Doris Bures (SPÖ) mit 83 Prozent sowie der Wahl von FPÖ-Obmann Norbert Hofer zum Dritten Nationalratspräsidenten mit 74,1 Prozent trotz grüner Gegenkandidatin gibt es jedenfalls eine besondere Konstellation.

Denn allen drei Politikern werden Ambitionen auf das Amt des Bundespräsidenten bei der nächsten Hofburgwahl 2022 nachgesagt. Das repräsentative Amt eines Nationalratspräsidenten wäre damit in drei Fällen Sprungbrett und Warteposition für eine mögliche Nominierung als Bewerber für das Amt des österreichischen Staatsoberhaupts.

Allerdings ist auch eine frühere Funktion im Nationalratspräsidium kein Garantieschein für den späteren Einzug in die Hofburg. Der ehemalige SPÖ-Vizechef Heinz Fischer wurde zwar nach zwölf Jahren als Erster Präsident und ab 2002 als Zweiter Präsident ab 2004 zum Bundespräsidenten gewählt und 2010 für sechs Jahre wiedergewählt. Hingegen kam Andreas Khol (ÖVP), der 2002 bis 2006 Erster Nationalratspräsident war, bei der Bundespräsidentenwahl 2016 nicht einmal in die Stichwahl.

Sobotkas schwieriger Start
und ein Rollenwechsel

Der 63-jährige Niederösterreicher Sobotka ist jetzt im Nationalrat angekommen. Das zeigen auch die knapp 88 Prozent bei seiner Wiederwahl. Denn bei seiner erstmaligen Kür zum Ersten Nationalratspräsidenten im Dezember 2017 hatte er nur 61,3 Prozent der Stimmen der Parlamentarier erhalten. Allerdings bekam er damals auch einen Denkzettel dafür, dass seine Vorgängerin und Parteikollegin Elisabeth Köstinger diese Funktion in den Augen zahlreicher Mandatare für rund sechs Wochen nur als Zwischenstation bis zur Bestellung zur Umweltministerin in der türkis-blauen Bundesregierung genützt hatte. Außerdem war Sobotka damals Parlamentsneuling mit gerade einmal zwei Sitzungen als Abgeordneter, während sonst üblicherweise erfahrene Mandatare in dieses Spitzenamt gewählt werden.

Sobotka hat seither einen politischen Rollenwechsel hinter sich. Der ehemalige Bürgermeister von Waidhofen an der Ybbs und spätere niederösterreichische Finanzlandesrat fiel ab April 2016 nicht nur als Hardliner als Innenminister auf, sondern rieb sich in der rot-schwarzen Koalition auch beständig am SPÖ-Chef Bundeskanzler Christian Kern, bis es im Mai 2017 zum Bruch der Koalition und zu Neuwahlen unter dem neuen ÖVP-Chef Sebastian Kurz kam.