Wichtig sei, sich die Liegenschaft zu sichern. Man stehe nun vor der einmaligen Situation, dass eigentlich alle nicht durch eine Wohnsiedlung verbauten Teile des Lagers in den Besitz des Bundes wechseln könnten. Auch Barbara Glück, Leiterin des seit 2017 in eine Bundesanstalt öffentlichen Rechts umgewandelte Mauthausen Memorials, plädiert für einen raschen Ankauf. "Polen ist als Mitglied unseres internationalen Beirats ein wichtiger Partner", sagt sie. Sie verstehe das Anliegen der Polen. Der Appellplatz und andere zum Verkauf stehende Orte hätten für viele Angehörige polnischer Opfer - die Polen gehörten zu den größten Opfergruppen in Gusen - eine wichtige Bedeutung, es gehe also um die Weiterentwicklung der Gedenkstätte. "Es gibt eine Notwendigkeit, und vielleicht ist gerade jetzt ein günstiger Zeitpunkt."

Einen etwaigen Verkauf an Polen sieht Zeithistoriker Perz kritisch - obwohl er für das Anliegen Polens, in dem der rechtskonservative PiS regiert, grundsätzlich Verständnis aufbringt. "Natürlich greift die polnische Regierung das auf und betreibt damit auch Erinnerungspolitik", sagt Perz.

Gusen sei für Polen seit jeher als Erinnerungsort mit Mauthausen gleichwertig, 1940/41 seien zahlreiche Angehörige der polnischen Intelligenz nach Gusen verschleppt und dort ermordet worden. Perz befürchtet, dass Erwerb der Liegenschaft durch Polen den Charakter Gusens als internationaler Erinnerungsort verzerren könnte - "was anderen Opfergruppen gar nicht gefallen würde". Der Historiker kritisiert, dass das Mauthausen-Memorial den BIG-Bericht bis dato noch immer nicht einsehen kann - trotz Zusage der ehemaligen ÖVP-Staatssekretärin Karoline Edtstadler. Diese hatte die Übermittlung des Berichts eigentlich für den April 2019 angekündigt. Dazu kam es aber nicht.

Auch die Grünen machen Druck in der Causa. Deren Abgeordnete Eva Blimlinger hat zu Gusen eine parlamentarische Anfrage eingebracht. Sie will von Interimsinnenminister Wolfgang Peschorn unter anderem wissen, wieso die Machbarkeitsstudie der BIG bis heute nicht veröffentlicht wurde und auch, wie hoch die BIG den Ankaufspreis der zum Verkauf stehenden Liegenschaften schätzt.

Dass es in Kürze eine Entscheidung des Bundes geben wird, ist unwahrscheinlich. Seitens des Innenministeriums spielt man weiter auf Zeit. Man prüfe den BIG-Bericht "verschiedene Optionen" und "in alle Richtungen", so ein Sprecher am Montag. Es sei unklar, ob es noch unter Minister Peschorn ein Ergebnis gebe.