Am 30. Juli ist Equal-Pension-Day. Denn Frauen erhalten um 42 Prozent weniger Pension als Männer. Die Pensionsexpertinnen Christine Mayrhuber vom Wifo und Ingrid Mairhuber von Forba haben im EU-Projekt "Transparente Pensionszukunft. Sicherung der ökonomischen Unabhängigkeit von Frauen im Alter", kurz Trapez, die Ursachen und das Wissen von Frauen darüber untersucht.

Bei den neuzuerkannten Alterspensionen 2019 war der Unterschied bei manchen noch dramatischer: Frauen, die vor ihrem Pensionsantritt unselbständig beschäftigt waren, erhielten im Mittel (Median) mit 1250 Euro brutto um 46,2 Prozent geringere Pensionen als Männer (2322 Euro), 2018 waren es 49,4 Prozent. Weibliche Gewerbetreibende mussten sich mit 1300 Euro, also einer um 39,6 Prozent niedrigeren Pension als männliche mit 2163 Euro, zufriedengeben. Und bei früheren Bäuerinnen ist die Lücke mit 33,7 Prozent deutlich geringer, die Pension mit 921 Euro allerdings auch, Bauern erhielten 1388 Euro.

Ursachen für die Lücke

Die wesentlichste Ursache für die Lücke sind die geringeren Erwerbseinkommen der Frauen. Zweitwichtigster Grund ist, dass sie acht Jahre weniger Beiträge einbezahlen. Und: "Mit dem lebenslangen Durchrechnungszeitraum seit der Pensionsreform 2005 - davor waren es die besten 15 Jahre -, wirkt sich das insbesondere bei Frauen, die lange teilzeitbeschäftigt waren und in Berufen, wo sich die Entlohnung stark am Senioritätsprinzip ausrichtet, besonders stark aus", erklärt Mayrhuber vom Wifo.

"Den befragten Frauen ist es bewusst, dass sie weniger Pension erhalten werden. Sie finden das aber sehr ungerecht", ergänzt Mairhuber von Forba. Die Befragten wünschen sich am Arbeitsmarkt, bei der Kinderbetreuung und beim Pensionssystem Korrekturen. Denn: "Eine gerechte Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit individuell in der Partnerschaft auszuverhandeln, scheint schwierig zu sein."

Die befragten Frauen und die Wissenschafterinnen haben Vorschläge, wie der Unterschied verringert werden könnte. Manches davon ist im türkis-grünen Regierungsprogramm verankert, wenig aber in Umsetzung.

Pensionssystem ändern

"Ich fände eine bessere Anrechnung von Kinderbetreuung und Pflege wichtig", schlägt etwa eine 53-jährige Wienerin vor - und war sich damit "mit ziemlich allen Frauen einig", sagt Mairhuber. Die fiktive Bemessungsgrundlage während der Kindererziehung von bis zu vier Jahre pro Kind von derzeit 1922,59 Euro könnte erhöht werden. "Die entspricht, weil nur 12 und nicht 14 Mal berechnet, einem monatlichen Einkommen von rund 1600 Euro", erklärt Mairhuber.

Das türkis-grüne Regierungsprogramm sieht das nicht vor. Genauso wenig sind eine vom Partnereinkommen unabhängige Mindestpension, eine Erhöhung der Teilgutschriften während Elternteilzeit oder Aufwertungsfaktoren für niedrige Einkommen vorgesehen. "Orientieren sich die Aufwertungsfaktoren der einbezahlten Beiträge am Gender-Pay-Gap im Arbeitsleben (derzeit bei rund 20 Prozent beim Bruttostundenlohn, Anm.), käme das allen Frauen zu Gute, auch jenen ohne Kinder", sagt Mairhuber. "Das hat aber im Moment niemand auf der politischen Agenda."

Weitere Vorschläge sind eine aktive Beratung und jährliche Information zum Pensionskontostand und Pensionssplitting. Beides will auch die Regierung vorantreiben - allerdings nur für jene mit Kindern; für Patchworkfamilien nur freiwillig, nicht aber verpflichtend und nicht nur für Eltern, wie die Expertinnen das als mögliche Systemkorrektur anführen. "Das könnte man politisch rasch umsetzen, es würde, wenn man den Zeitrahmen für den Antrag ausweitet, auch rückwirkend wirken."

Arbeit neu bewertet verteilen

Nicht rückwirkend wirken Korrekturen am Arbeitsmarkt: "Da aber sind mittel- und langfristig die entscheidenden Hebel", sagt Mayrhuber - einer könnte etwa "eine Neubewertung der Arbeit, eine Höherbewertung von den jetzt als systemrelevant bezeichneten Frauenberufen" sein. Sowohl die Trapez-Studie als auch das Regierungsprogramm schlagen die Förderung von Frauen in besser bezahlten Berufen zur Verringerung der Einkommensschere vor, eine bessere Aufteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit - eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, auch Anreize, dass Väter länger in Karenz gehen. "Man könnte etwa das volle Kinderbetreuungsgeld nur dann erhalten, wenn sich die Eltern die Karenz zur Hälfte aufteilen", sagt Mairhuber. Das haben die Neos kürzlich vorgeschlagen, ÖVP und Grüne haben das nicht so geplant.

Einzig der Ausbau von qualitativ hochwertigen und leistbaren Kinderbetreuungseinrichtungen ist im Zuge des Krisenwiederaufbaus von Gemeinden bereits in Umsetzung. Es scheint notwendig, denn nicht nur eine 33-jährige Salzburgerin spricht davon, dass "die Kinderbetreuung besser zu machen oder überhaupt einmal Plätze zu schaffen" sind - diese Einschätzung teilen viele der Befragten in der Trapez-Studie.