Nach dem Beginn der Impfungen gegen das Coronavirus will Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) "möglichst viele Menschen" dafür gewinnen, diesen "Schlüssel für die Wende" ebenfalls zu nutzen. Das kündigte Anschober nach dem "großen Tag im Kampf gegen die Pandemie" am Montag bei einem Medientermin in Wien an. Als "europäische Erfolgsgeschichte", die im Juni noch unvorstellbar gewesen wäre, bezeichnete Covid-Sonderbeauftragter Clemens Martin Auer den Impfbeginn.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober vor einem Corona-Impfstoff Gefrierschrank im Rahmen eines Lokalaugenscheins bei Herba Chemosan in Wien. - © APAweb, ROBERT JAEGER
Gesundheitsminister Rudolf Anschober vor einem Corona-Impfstoff Gefrierschrank im Rahmen eines Lokalaugenscheins bei Herba Chemosan in Wien. - © APAweb, ROBERT JAEGER

Damals wurde vonseiten der EU erstmals ein Portfolio potenzieller Impfstoffe aufgestellt, und dann 2,7 Milliarden Euro an Anzahlungen an die Hersteller geleistet - Österreich hätte dies als einzelner Staat nicht zustande gebracht, dass gegenwärtig vor allem die Frage bliebe, wann man wie viel vom jeweiligen Impfstoff zur Verfügung habe. Von den insgesamt sechs Vakzinen ist zwar erst jenes von Biontech/Pfizer zugelassen, aber das Produkt von Moderna, in den USA und Kanada bereits im Einsatz, wird wohl auch bald in der EU geliefert werden. Auer rechnet damit, dass es in der ersten Jänner-Woche der Fall ist - am 6. Jänner entscheidet hier die EU - und im ersten Quartal möglicherweise 200.000 Dosen von diesem Impfstoff, der ebenfalls auf mRNA-Basis funktioniert, an Österreich gehen.

"Jetzt geht es darum, die nächsten Schritte zu tun", sagte der Gesundheitsminister nach dem seines Wissens erfolgreichen Start - und zwar nicht "von null auf 100", sondern professionell. Dazu wolle man "ein Netzwerk von Kooperationspartnern knüpfen, um etwa in Gemeinden oder auch in Betrieben breit aufgestellt zu sein, erläuterte Anschober in der Vertriebsniederlassung der Herba Chemosan Apotheker AG in Wien-Simmering. Wobei dies weiterhin von zwei Grundfaktoren abhängig sei: Einerseits von der Marktzulassung der Impfstoffe, andererseits von der Frage, wann die Teillieferungen einlangen werden. Eine erste erwartet sich der Minister in dieser Woche. Anschober sieht dabei auch eine große Herausforderung für die Logistik, wie er sagte.

 

Drei-Phasen-Plan für Impfung

Fix ist, dass ab 12. Jänner 2021 in allen Pflegeheimen mit den Corona-Impfungen begonnen werde, kündigte Anschober an. Zugleich bekräftigte der Ressorchef, dass es zu keiner Impfpflicht kommen werde, sondern dass die Corona-Impfung gratis als Möglichkeit angeboten werde. Anschober betonte, dass es einen Drei-Phasen-Plan für die Corona-Impfung gebe: "Wir werden nicht von null auf hundert vorgehen." Noch in dieser Woche werde es eine erste Teillieferung von Impfstoff für Österreich geben. Es handelt sich dabei um jenen von Biontech/Pfizer.

In der ersten Phase betreffe die Zielgruppe alle Bewohner und Mitarbeiter von Alten- und Pflegeheimen. Dazu gehöre das Angebot nicht nur für Pflegepersonal, sondern auch für Mitarbeiter etwa in der Küche oder beim Reinigungspersonal, sagte der Minister. Zur ersten Zielgruppe gehört auch das Gesundheitspersonal. Die Corona-Impfungen in dieser besonders gefährdeten Zielgruppe sollen im Jänner und Februar 2021 durchgeführt werden.

Danach werden in einer zweiten Phase Menschen in Berufen zur Aufrechterhaltung der Infrastruktur ab Ende Jänner/Anfang Februar folgen. Dazu zählen unter anderen Beschäftigte in Apotheken oder Mitarbeiter in mobilen Diensten, schließlich die breite Bevölkerung.

Der Gesundheitsminister erklärte, dass in Österreich die Corona-Impfungen dezentral in den Gemeinden durchgeführt werde. Man werde sich dabei auf die bestehende Logistik verlassen und "keine Experimente" eingehen. Bei der Umsetzung sei man von zwei Bedingungen abhängig: von der Marktzulassung von Impfstoffen und von den Kriterien, zu denen der Impfstoff geliefert werden könne. Nach den Pflegeheimen werden vor allem die niedergelassenen Ärzte in die Ausweitung der Corona-Impfungen auf weitere Bevölkerungsgruppen einbezogen.

Politiker-Impfungen noch offen

Fest steht auch, dass es eine umfassende Info-Kampagne der Bundesregierung mit Unterstützung von Experten für die Corona-Impfungen geben wird. Noch diese Woche soll ein Expertengremium festgelegt werden. "Wir werden versuchen, eine ehrliche, transparente Informationsarbeit zu machen", sagte Anschober. Im Vordergrund werde dabei jene große Gruppe der Österreicher stehen, die noch abwarten und sich erst entscheiden wollen, ob sie sich impfen lassen. Daneben gebe es zwei kleinere Gruppen, jene, die sich jedenfalls impfen lassen und jene, die sich sicher nicht impfen lassen wollen. Schon jetzt gebe es eine Impfhotline, bei der es bisher 20.000 Anrufe gegeben habe.

Erste Corona-Impfungen - wie im Tageszentrum des Pflege- und Betreuungszentrums St. Pöltens hat es bereits am Sonntag gegeben. Flächendeckend sollen sie in Pflegeheimen ab 12. Jänner 2021 erfolgen. - © APAweb / Hans Punz
Erste Corona-Impfungen - wie im Tageszentrum des Pflege- und Betreuungszentrums St. Pöltens hat es bereits am Sonntag gegeben. Flächendeckend sollen sie in Pflegeheimen ab 12. Jänner 2021 erfolgen. - © APAweb / Hans Punz

Noch offen ist laut Anschober, wann sich (Spitzen)Politiker impfen lassen werden: "Wir diskutieren das gerade." Der Minister ist aber überzeugt, dass sich die ganz große Mehrheit der Politiker in Österreich impfen lassen werde.

Koordninator: Genug Impfstoff vorhanden

Zunächst werden die Pflegheime die Möglichkeit erhalten, in einem E-Shop, der erst online freigeschaltet wird, die jeweils notwendige Zahl an Corona-Impfungen zu bestellen. Weil die Kühlung des Impfstoffs auf minus 70 Grad deutliche Beschränkungen vor der Impfung bringt, ist vorgesehen, dass die Heime die Bestellungen sechs Tage vor dem jeweils vorgesehenen Impfttermin vornehmen können.

Impf-Koordinator Clemens Auer beruhigte anschließend, dass sich die Österreicher keine Sorgen um die Belieferung mit Corona-Impfstoff machen müssen. Von der EU seien insgesamt zwei Milliarden Impfdosen bestellt worden. "Die Frage, gibt es genug Impfstoff stellt sich nicht", versicherte Auer.