Es sind Meldungen, die verunsichern können, die aber keineswegs überraschend kommen: Einige gegen Covid-19 geimpfte Personen sind kurz nach der Impfung gestorben, das norwegische Gesundheitsministerium meldete kürzlich 23 solcher Fälle, wobei 13 Todesfälle davon im Verdacht stehen, durch Nebenwirkungen ausgelöst worden zu sein. Was all die Fälle eint, ist, dass es sich um hochbetagte Personen handelte, die gesundheitlich fragil waren. Wie stark, war auf Nachfrage dieser Zeitung vom norwegischen Gesundheitsministerium nicht zu erfahren.

Die Meldungen kommen aber insofern nicht überraschend, da fast überall neben dem Gesundheitspersonal sehr betagte Personen, vor allem in Pflegeheimen, zu Beginn geimpft werden. Sie haben das höchste Risiko, an Covid zu sterben - aber auch sonst. Die Zahlen aus Norwegen erscheinen insofern hoch, da dort erst 42.000 Personen gegen das Coronavirus geimpft worden sind. In den USA wurden bisher 64 Todesfälle in zeitlicher Nähe zur Impfung offiziell registriert, allerdings bei bereits mehr als 12 Millionen verabreichten Impfungen.

In Österreich sterben pro Woche in etwa 400 Personen in Pflegeheimen, im vergangenen Jahr waren es Covid-bedingt durchschnittlich um zehn Prozent mehr. Impft man in nur wenigen Wochen möglichst alle Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen, ergeben sich automatisch Todesfälle in zeitlicher Nähe zur Impfung. Es muss aber keine Kausalität bestehen.

Nebenwirkungen müssen gemeldet werden

Diese zu erkennen, ist auch nicht so einfach wie bei jungen, gesunden Personen, da die Heime derzeit bereits durch Covid und seine Nebeneffekte, wie etwa Besuchsverbote, mit erhöhter Sterblichkeit konfrontiert sind. "Je stärker das Grundrauschen ist, desto schwerer ist es, ein Signal zu erkennen", umschreibt es der Pharmakologe Markus Zeitlinger von der Medizinischen Universität Wien.

Ob es bereits zu Todesfällen in Österreich gekommen ist, ließ sich bis Redaktionsschluss nicht ermitteln. Es gibt aber eine Verpflichtung, sämtliche Nebenwirkungen zu melden. Die Informationen laufen im Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen zusammen. Es gibt auch eine europäische Überwachung der EU-Arzneimittelbehörde (EMA), in dieser finden sich aber noch keine Meldungen.

Weniger Reaktionen bei Alten

In den Zulassungsstudien wurden bei Biontech/Pfizer und Moderna ältere Personen eingeschlossen und die Impfung auch für diese Personengruppe freigegeben. Aber alt ist nicht gleich alt. In den Studien fanden sich wenige Hochbetagte, geschweige denn Sterbende. Aus den Studien ging aber hervor, dass Ältere die Impfung allgemein besser vertragen, eben weil das schwächere Immunsystem nicht mehr so stark reagiert. Das ist laut Zeitlinger auch bei sehr Betagten der Fall. Zu den möglichen Reaktionen gehört, neben Kopfweh oder Schmerzen an der Einstichstelle, auch Fieber. "Es könnte sein, dass dies den Kreislauf von sehr Alten überlastet", sagt Zeitlinger.

Das Nationale Impfgremium in Österreich diskutiert das Thema bereits. Noch fehlen aber genauere Daten, sagte die Vakzinologin Ursula Wiedermann-Schmidt im ORF ("Im Zentrum"). Wesentlich bleibt jedenfalls, und hier unterscheidet sich die Corona-Impfung nicht von anderen Impfungen, die individuelle Einschätzung des behandelnden Arztes.

Ende Jänner ist in der EU mit der Zulassung des dritten Impfstoffes von AstraZeneca zu rechnen. Bei diesem gibt es Unsicherheiten bezüglich der älteren Population, aber nicht wegen der Sicherheit, sondern der Wirksamkeit. Großbritannien hat diesen Impfstoff auch für ältere Personen zugelassen, die EMA hat auf mangelhafte Daten bei Personen über 55 Jahren hingewiesen. Es könnte daher - vorerst - nur zu einer Zulassung für jüngere Personen kommen, bis AstraZeneca die Daten nachreicht. Die Impfstoffe von Biontech und Moderna erzeugen laut den Phase-3-Studien eine ebenso hohe Schutzwirkung bei Älteren. Rund um das 50. Lebensjahr beginnt sich das Immunsystem zu verändern, das kann die Wirksamkeit von Impfungen beeinträchtigen. Bei Influenza ist das beispielsweise der Fall. (sir)