Der wochenlange, teils monatelange Heimunterricht für die 1,2 Millionen Schüler in Österreich hat die Lerndefizite bei Kindern vergrößert. Speziell betroffen sind Schüler aus sozial schwachen Haushalten und aus Familien mit Migrationshintergrund. Für eine stärkere Unterstützung der Schüler mit besonderen Lernproblemen hat Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) schon vor Längerem ein Förderpaket von 200 Millionen Euro für das laufende Sommersemester zugesagt. Faßmann hat zuletzt am Samstag bei der Vorstellung des Öffnungsplanes für die Schulen mit regulärem Betrieb ab 17. Mai appelliert, Mittel aus dem Fördertopf zu nützen.

An den Pflichtschulen werden damit seit den Semesterferien im Februar vorerst befristet bis zum Ende des heurigen Schuljahres 2020/21 österreichweit 1.161 Planstellen für Lehrer zur Verfügung gestellt. Dadurch sollen Schwächen wegen der Einschränkungen des Schulunterrichts aufgrund der Pandemie möglichst ausgeglichen werden. Diese Zahl an Lehrerposten, umgerechnet aus dem Extrakontingent an Förderstunden, hat der Bildungsminister in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der SPÖ genannt. Das entspreche in der Bemessung ab März österreichweit im Durchschnitt zwei Wochenstunden pro Klasse mehr bis zu den Sommerferien, hat er vorgerechnet.

Paket soll verlängert werden

Faßmann hat in der Anfragebeantwortung ausdrücklich hingewiesen: Mit diesem Kontingent an Förderstunden sollen die Kompetenzen der Schüler mit Schwierigkeiten wegen des häufigen Heimunterrichts für das laufende Schuljahr an Volksschulen und Mittelschulen erhöht werden. Es ist auch an eine solche Unterstützung zweckgebunden.

Der Bildungsminister hat bereits erklärt, dass das Förderpaket "definitiv" auch im kommenden Schuljahr fortgesetzt werden soll. Allerdings muss er sich mit Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) über das Volumen des Förderpakets für das neue Schuljahr ab September erst einigen.

Die Bildungsdirektionen in den Bundesländern haben bei der Aufteilung der Mittel ein entscheidendes Wort mitzureden. Sie müssen gemäß dem Schulorganisationsgesetz auf Schulstandorte mit erhöhtem Förderbedarf, vor allem mit erhöhtem Bedarf an Sprach- und somit Deutschförderung sowie auf "besondere sozioökonomische Herausforderungen", besonders Rücksicht nehmen, sagte Faßmann.

Meisten Stellen für Wien

Von "Brennpunktschulen" vor allem in Ballungszentren mit hohem Anteil an Zuwandererfamilien will das Bildungsministerium bewusst nicht sprechen, weil damit negative Zuschreibungen verbunden sind. Es könnten außerdem bereits bestehende Zusatzressourcen und Kontingenten für den Ausgleich von Lernrückständen genützt werden.

Grundsätzlich erfolgt die Aufteilung der Förderkontingente nach einem 90:10-Schlüssel. Das bedeutet: 90 Prozent der Planstellen werden gemäß der Gesamtschülerzahl zugewiesen, zehn Prozent aufgrund des Anteils der Schüler, die bereits Deutschförderung brauchen. Von den bundesweit 1.161 Planstellen aufgrund des Förderpakets entfallen demnach die meisten, nämlich 246, auf Wien. Die Bundeshauptstadt erhält mit 43 Lehrerposten auch im Bundesländervergleich die meisten Planstellen aufgrund der Schülerinnen und Schüler mit Deutschförderung.

Der Basisanteil aus dem Förderpaket auf der Gesamtschülerzahl an den Pflichtschulen liegt in Wien damit bei umgerechnet 203 Planstellen für Pädagogen. Oberösterreich folgt mit umgerechnet 216,6 Lehrerplanstellen und liegt vor Niederösterreich, weil in Oberösterreich das Kontingent für Schüler in Deutschförderung mit knapp 23 Planstellen höher ist.

In Niederösterreich kommen zu knapp 201 Planstellen aus dem errechneten Fördervolumen aufgrund der Schülerzahlen in Pflichtschulen 14,2 Planstellen für Schüler mit Deutschförderung hinzu. Zum Vergleich: Dem Burgenland stehen nach den Angaben des Bildungsministeriums aus der Sonderförderung 34 Lehrerposten zu. Der Anteil für Schüler mit Deutschförderung liegt im Burgenland nur bei umgerechnet 1,5 Lehrern.

Für die mittleren und höheren Schulen sind, wie der Ressortchef in der Antwort auf die parlamentarische Anfrage der SPÖ anführt, insgesamt 44,4 Millionen Euro für den zusätzlichen Personalaufwand an Lehrern zur Reduktion von Lernrückständen wegen der Corona-Einschränkungen vorgesehen.

"Keine Budgettöpfe gekürzt"

Der Großteil ist mit 32 Millionen Euro für die Unterstützung an diesen Schulen in Kleingruppen veranschlagt. 6,3 Millionen Euro werden für Ergänzungsunterricht in den Abschlussklassen veranschlagt. In diesen Schulen erfolgt die Aufteilung der Mittel gemäß der Anzahl der Klassen auf die Bildungsdirektionen der Bundesländer. Mit 23,2 Prozent entfällt der größte Anteil der Sonderförderung in diesem Bereich auf die Bundeshauptstadt. Für Niederösterreich sind es 18,1 Prozent, für Oberösterreich 15,4 Prozent, für die Steiermark 13,1 Prozent, wie Faßmann vorrechnet.

Der Bildungsminister stellt darüber hinaus fest, dass für die Sonderförderung, um coronabedingte Lernrückstände auszugleichen, "keine anderen Budgettöpfe gekürzt" werden. Werden aufgrund der Rahmenbedingungen während der Corona-Pandemie Mittel frei, etwa für Schulveranstaltungen, die nicht abgehalten werden können, so können diese Mittel umgeschichtet werden.

Damit werde das Geld trotz der Corona-Einschränkungen zum Erreichen des Bildungsziels der Schüler eingesetzt. Das Bildungsressort erwartet auch Geld aus Brüssel. Denn die Sonderförderung werde außerdem als Maßnahme an den EU-Wiederaufbaufonds nach der Corona-Krise gemeldet. 35 Millionen Euro würden für das Förderpaket außerdem aus dem europäischen Sozialfonds zur Verfügung stehen.