Der vergangene Sonntag bot das, was euphemistisch als "Kinowetter" bezeichnet wird und bei einem Städtetrip zwangsläufig zu Museumsbesuchen führt. Ideale Bedingungen also, um eine der vielen Impfstationen aufzusuchen, sieht man einmal vom Impfboot auf der Alten Donau in Wien ab. Dennoch brachte das Regenwetter am Sonntag nur 1.693 Erstimpfungen in Österreich, so wenige wie im Februar, als es noch kaum Impfstoff gab.

Zwar haben sich an diesem Tag mehr als 25.000 Personen ihre zweite Impfung geholt, doch bei knapp 60 Prozent der Gesamtbevölkerung mit zumindest einer Teilimpfung, scheint, früher als gedacht, ein erster Plafond erreicht. Die Bundesländer sind derzeit bestrebt, mögliche Barrieren zu verringern, um jene Personen zu erreichen, die sich grundsätzlich impfen würden, aber es dennoch bisher nicht getan haben. Die Gründe dafür dürften sehr unterschiedlich sein, viel weiß man allerdings darüber nicht.

Jugendliche als Impf-Zielgruppe

Die Bundesländer setzen nun verstärkt auf möglichst niederschwellige Angebote, in fast allen Ländern werden Impfungen ohne Voranmeldung angeboten. In Wien wird etwa eine Woche lang im Austria Center von 7 bis 19 Uhr ohne Voranmeldung geimpft, wobei man den Impfstoff frei wählen kann. Am Mittwoch sind zudem zwei Impfbusse unterwegs, die an wechselnden, stark frequentierten Orten und Jugendzentren Station machen und jungen Menschen Impfungen anbieten werden. Auch in der Steiermark wird am Ende der Woche ohne Termin geimpft, das Burgenland setzt vor allem auf Hausärzte, die Stadt Baden bietet am 9. August Jugendlichen bis 18 Jahren eine Impfung ohne Voranmeldung an.

Diese Altersgruppe weist bisher noch die geringste Impfrate auf. Rund ein Drittel der 15- bis 24-Jährigen ist erst vollimmunisiert, etwa die Hälfte hat zumindest eine Teilimpfung erhalten. Viel höher ist die Bereitschaft aber auch bei jüngeren Erwachsenen (bis 34 Jahre) nicht mit rund 55 Prozent Erstimpfimpfungen. Immerhin hat bald jeder Zweite von ihnen einen vollen Schutz.

Im Juli haben sich in Österreich 8.994 Personen, nach offiziellen Daten zumindest, mit dem Coronavirus angesteckt. Beinahe zwei Drittel davon entfallen auf Jugendliche und Jüngere von 15 bis 34 Jahre. Dem gegenüber infizierten sich im Juli nur 38 Personen über 84 Jahre. Trotz dieser geringen Zahl starben in dieser Altersgruppe sechs Personen am Coronavirus, niemand hingegen in der Altersgruppe bis 34 Jahre.

Am Montag meldeten die Bundesländer dem Gesundheits- und Innenministerium 364 Neuinfektionen, das ist der höchste Wert an einem Montag seit Ende Mai. Nach wie vor beschäftigt auch der große, österreichweite Cluster nach dem Festival "Austria goes Zrce". Schon Ende der vergangenen Woche sind mehr als 300 Infektionen im Zusammenhang mit der mehrtägigen Beach-Party in Kroatien bekannt geworden, alle Bundesländer meldeten Infizierte, und auch am Montag kamen mehr als ein Dutzend wieder dazu. Laut kroatischen Behörden sollen aus Österreich rund 2.500 Personen an dem Festival teilgenommen haben, die Infektionsrate ist schon recht beachtlich.

Lage in Spitälern stabil

Insgesamt hat sich aber die Lage insofern etwas beruhigt, als der Anstieg der Infektionskurve flacher geworden ist. Mitte Juli hatte es danach ausgesehen, als könnten sich die Fallzahlen wöchentlich verdoppeln, seither bremste sich das Wachstum ein. Das ist deshalb von Bedeutung, weil ein sehr steiler Anstieg nur schwer zu managen wäre.

Positiv ist auch, dass die Situation in den Krankenhäusern in Österreich weiterhin sehr stabil ist. Am Montag wurden 31 Personen auf einer Intensivstation wegen Covid-19 behandelt.
Seit dem Beginn der Pandemie sind in Europa mittlerweile mehr als 60 Millionen Corona-Infektionen nachgewiesen worden. Damit entfallen rund 30 Prozent aller weltweit bisher gemeldeten Corona-Fälle auf Europa, wobei laut WHO-Zählung auch die Türkei und Russland zu Europa zählen. Bisher gab es in den 50 europäischen Staaten 1,2 Millionen Todesfälle in Verbindung mit Covid-19, weltweit sind es bisher 4,2 Millionen Todesfälle. (sir)