Der Ukraine-Krieg hat tausende Kinder aus ihrem gewohnten Alltag gerissen - auch aus ihrem Schulalltag. Nora Deinhammer, Geschäftsführerin von SOS Kinderdorf, appellierte daher bei einer Pressekonferenz am Dienstag an die Verantwortlichen, sich auf den großen Zustrom geflüchteter Schüler vorzubereiten. Die Qualifikationen ukrainischer Pädagogen müssten möglichst schnell anerkannt werden, damit der erhöhte Personalbedarf gedeckt und das Recht der Kinder auf Bildung gewahrt werden könne.

Während die österreichischen Bundesländer erste Schritte setzen - Wien etwa stellt aktuell 800 Schulplätze für geflüchtete Kinder zur Verfügung und sucht nach ukrainisch sprechendem Lehrpersonal -, wurde auch das ukrainische Bildungsministerium aktiv und forderte Schulen in der Ukraine auf, Online-Unterricht anzubieten.

Ukrainischer Fernunterricht als Übergangslösung

Indem die Kinder auf ihren Smartphones den Unterricht verfolgen, soll ihnen ein wenig Struktur und Geborgenheit vermittelt werden. Der Fernunterricht sei sowohl für geflüchtete Kinder gedacht als auch für jene, die in Luftschutzkellern ausharren, sagt Veroniya Lakusta, selbst gebürtige Ukrainerin, die in Österreich als Bildungs- und Berufsberaterin für Menschen mit Migrationshintergrund tätig ist. Für Familien, die wieder in die Ukraine zurückkehren wollen, sei der Heimunterricht eine geeignete Übergangslösung.

Für andere Familien, die in besonders umkämpfen Gebieten ihr Zuhause verloren haben, gibt es kein Zurück mehr. Einige Eltern haben ihre Kinder daher bereits in österreichischen Schulen angemeldet.

Für diese Kinder wird Integration zum Thema. Es könne zwar hilfreich sein, wenn sich Kinder in einer ersten Phase auch mit muttersprachlichen Pädagogen über ihre Erfahrungen im Krieg austauschen könnten, doch sollten sie nicht dauerhaft von ihren österreichischen Mitschülern separiert werden, sagt Christiane Spiel, Bildungspsychologin an der Uni Wien.

Schon bisher Mangel an Schulpsychologen

Vielmehr sollten sich Lehrpersonen gemeinsam mit ihren Klassen Gedanken machen, wie man die Neuankömmlinge willkommenheißen könnte, etwa indem österreichische Kinder lernen, sich auf Ukrainisch vorzustellen. Es sei Aufgabe der Schule, den Geflüchteten Sicherheit zu vermitteln, "damit sich die Kinder nicht im Negativen verlieren", sagt Spiel.

Denn viele der geflüchteten Schüler seien schwer traumatisiert, warnt die Bildungspsychologin. Auch darauf müssen sich die Schulen einstellen. Einerseits müsste den österreichischen Schulkindern erklärt werden, was ein Trauma bedeutet, damit sie das Verhalten ihrer neuen Klassenkollegen besser einordnen können. Andererseits müssten die Schulen die psychologische Betreuung der Traumatisierten sicherstellen. Das wird nicht einfach: Schon bisher herrschte ein Mangel an Schulpsychologen, im Vorjahr kam im Durchschnitt einer auf 6.100 Schüler.