Während auf Bundesebene ÖVP und Grüne gerade darüber diskutieren, ob und welche Lehren aus der wissenschaftlichen Studie zu den Deutschförderklassen gezogen werden und österreichweit die Suche nach Nachwuchs an Lehrkräften läuft, steht den Leitern an Niederösterreichs Pflichtschulen eine Entlastung bevor. Die Zahl der Administrativkräfte für die Direktionen an Volks-, Mittel- und Sonderschulen wird erhöht. Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) hat versprochen, dass künftig 500 Standorte von Pflichtschulen mit Administrationskräften unterstützt werden. Wie der "Wiener Zeitung" in der Bildungsdirektion Niederösterreich erklärt wurde, sind derzeit schon an 355 Schulstandorten im Bundesland derartige Arbeitskräfte zur Unterstützung der Direktorinnen und Direktoren im Einsatz. Zu 155 Personen werden künftig 70 zusätzliche Administrativkräfte eingestellt.

Die Zusage dazu gab es von Niederösterreichs ÖVP-Landeschefin am Nikolaustag beim Tag der niederösterreichischen Landeslehrerinnen und -lehrer, zu dem rund 2500 Pädagogen ins St. Pöltner Veranstaltungszentrum gekommen waren. Man werde sich darum kümmern, dass sich die Lehrkräfte ihrer eigentlichen Profession widmen könnten, nämlich dem Unterrichten der Schüler, sagte Mikl-Leitner. Deswegen sei eine Aufstockung der Verwaltungskräfte ausgehandelt worden. Die Landeshauptfrau geht als ÖVP-Spitzenkandidatin in die Landtagswahl am 29. Jänner kommenden Jahres. In Niederösterreich gibt es immerhin rund 14.000 Landeslehrer, die in insgesamt rund 1000 Pflichtschulen unterrichten.

Mit der Aufstockung der Verwaltungskräfte wird künftig praktisch jeder zweite Schulstandort eine Administrativkraft zu Entlastung des Lehrpersonals zur Verfügung haben. "Die Aufstockung erfolgt laufend – nach dem Bedarf, den die Schulen einmelden", ließ die Bildungsdirektion des Landes wissen. Dies wird seit dem heurigen Herbst von Bildungsdirektor Karl Fritthum geleitet, der wie Bildungslandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) beim Lehrertag war.

In Wien an gut 300 Schulstandorten

Mikl-Leitner hat die vermehrte Einstellung von Administrativkräften im Sommer 2020 nach den ersten Schulschließungen als Folge der Pandemie ab März 2020 gemeinsam mit dem damaligen Bildungsminister Heinz Faßmann in Wien verkündet. Die Aktion ist keineswegs auf Niederösterreich beschränkt. Die meisten Verwaltungskräfte in den Schuldirektionen setzt seither das Bundesland Wien ein. Dort waren heuer im März bereits knapp 200 Unterstützungskräfte an gut 300 Standorten von Pflichtschulen im Einsatz. Die Aktion erfolgt in der Bundeshauptstadt in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsmarktservice (AMS), es werden dafür Arbeitslose als Administrativkräfte für die Sekretariate in den Pflichtschulen rekrutiert.

Niederösterreichs Landeshauptfrau macht aber auch Druck auf den amtierenden Bildungsminister Martin Polaschek, um dem Lehrermangel zu begegnen. "Das Studium muss kürzer werden, damit die Lehrerinnen und Lehrer schneller in die Praxis kommen", betonte sie bei der Veranstaltung im VAZ St. Pölten. Der Bildungsminister hat eine Reform der Lehrerausbildung bereits angekündigt, die gesetzliche Basis dafür soll es nach Rücksprache mit den Pädagogischen Hochschulen bis zum Sommer kommenden Jahres geben. Ab der Sekundarstufe soll die Lehrerausbildung um ein Jahr auf fünf Jahre verkürzt werden. Gleichzeitig läuft seit Oktober die Werbekampagne "Klasse Job" des Ministeriums, um mehr Nachwuchs für die Schulen zu finden.

Bildungslandesrätin Teschl-Hofmeister sieht außerdem in einem Bereich im Schulwesen besonderen Handlungsbedarf bei der Ausbildung. Man brauche besonders Lehrer, die als Sonderpädagogen ausgebildet seien, hob sie hervor. (ett)