Der aktuelle Bericht des Rechnungshofs zeigt, dass die Schere zwischen Männer- und Fraueneinkommen deutlich auseinanderklafft. Das mittlere Bruttojahreseinkommen aller unselbstständig Beschäftigten lag 2021 bei 31.407 Euro, Männer verdienten 37.707 Euro und Frauen nur 24.309 Euro. Das entspricht einem Gender-Pay-Gap von 36 Prozent.

Christine Mayrhuber, Einkommens-Expertin beim Wifo, nennt im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" zwei Gründe für den Unterschied: "Der eine ist in der Bewertung der Arbeit zu finden, der andere in der unterschiedlichen Arbeitszeit".

54 Prozent der Frauen arbeiten in Teilzeit

Die Anzahl der Menschen mit einer Erwerbsarbeit stieg zwischen 2012 und 2021 um 10,8 Prozent von rund 4,1 auf 4,5 Millionen an. Allerdings arbeiten von allen ganzjährig erwerbstätigen Frauen mehr als die Hälfte, konkret 54 Prozent, in einem Teilzeitarbeitsverhältnis. Bei Männern liegt der Anteil mit Teilzeitarbeit gerade einmal bei zwölf Prozent.

Zwar erzielen Frauen in Teilzeit mit durchschnittlich 22.563 Euro ein etwas höheres Jahreseinkommen als Männer in Teilzeit mit 19.754 Euro. Das könnte aber auch an einem durchschnittlich höheren Stundenausmaß von Frauen in Teilzeit liegen. Dazu gibt es allerdings keine Daten. Dass durchschnittliche Männereinkommen in Vollzeit mit 47.688 Euro im Vergleich über jenen von Frauen mit 40.977 Euro liegen, ist allerdings ein Anzeichen dafür.

Verdienst in Branchen mit vielen Frauen niedriger

Frauen erhalten 2021 in allen Beschäftigungsgruppen weniger Einkommen als ihre männlichen Kollegen. Wobei die mittleren Bruttojahreseinkommen von Arbeiterinnen mit 13.434 Euro um 55 Prozent am deutlichsten unter jenen von Arbeitern mit 30.030 Euro liegen. Bei den Angestellten liegt der Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Jahreseinkommen und einem Durchschnitt von 35.302 Euro bei 46 Prozent, bei Vertragsbediensteten mit 37.700 Euro bei 22 Prozent. Nur Beamtinnen erzielen im Mittel mit 60.974 Euro nur um ein Prozent weniger als Beamte mit 61.673 Euro.

Der Blick auf die Einkommen nach Ausbildung zeigt zwar, dass sich ein Hochschulstudium für Frauen lohnt: Akademikerinnen in ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung erhalten ein Jahreseinkommen von 54.140 Euro. Der Durchschnitt aller ganzjährig Vollzeitbeschäftigten liegt bei 45.522 Euro. Dass Akademiker aber mit 72.002 Euro nochmals um 24 Prozent über den Akademikerinnen liegen, zeigt Mayrhuber, "dass ein technisches Studium mehr Lebenseinkommen bringt als ein sozialwissenschaftliches".

Mehr noch: "Sieht man sich Bundesländer-Einkommen an, zeigt sich, dass die Wirtschaftsstruktur entscheidend für die Unterschiede ist. In Oberösterreich mit vielen Industriearbeitsplätzen erhalten Frauen im Vergleich zu Männern 58 Prozent, österreichweit aber 64 Prozent."

Generell sind die Verdienstmöglichkeiten in Branchen, in denen überwiegend Frauen arbeiten wie dem Gesundheits- und Sozialwesen, wo es 87 Prozent sind, mit durchschnittlich 26.682 Euro geringer als in jenen wo Männer den Überhang haben wie dem Bau mit 35.158 Euro und 87 Prozent Männern. "Eine Neubewertung ist die Grundlage, um den unglaublich hohen Gender-Pay-Gap zu verringern", sagt Mayrhuber. "Der größte Hebel wäre also, wenn man die Tätigkeit einer Frisörin nicht mehr weniger hoch bewertet als die einer Mechanikerin."