Zur Bewältigung des Lehrermangels an Österreichs Schulen kommen nicht nur Quereinsteiger in den Beruf und Lehramtsstudenten zum Einsatz. Es wurde auch versucht, bereits pensionierte Lehrerinnen und Lehrer zurück in den Unterricht zurückzuholen. Allerdings haben diese Möglichkeit im laufenden Schuljahr 2022/23 an den Pflichtschulen, also Volks- und Mittelschulen, Sonder- und Berufsschulen nur 42 Lehrkräfte genützt. Das geht jetzt aus der Antwort von Bildungsminister Martin Polaschek auf eine parlamentarische Anfrage von SPÖ-Bildungssprecherin Petra Tanzler hervor.

In Oberösterreich, wo die Bilddungsdirektion sehr intensiv dafür geworben hat, waren es mit 15 die meisten. Großteils sind es Volksschullehrerinnen, die in den Unterricht zurückgekehrt sind.

Weder für aktive Lehrkräfte noch für Gewerkschafter und Lehrervertreter kommt das geringe Interesse an der Variante überraschend. Als Hauptgrund werden der fehlende finanzielle Anreiz und die schwierigen Begleitumstände in den Schulen genannt.

"Die bekommen das Gehalt eines Junglehrers", erläutert Franz Bicek, Gewerkschafter der SPÖ-Fraktion und Mitglied des Zentralsausschusses der Pflichtschullehrer in Oberösterreich im Gespräch mit der "Wiener Zeitung": "Das wird als nicht wertschätzend empfunden." Er sieht darin außerdem einen Widerspruch zu Aussagen, man brauche pensionierte Lehrer dringend im Unterricht: "Das ist kein feines Zeichen." Mehr Interesse gebe es dafür, dass manche Lehrkräfte nicht in Pension gehen, sondern länger bleiben. Denn früher war der Ruhestand ab 65 verpflichtend.

Für den obersten Vertreter der Wiener Pflichtschullehrer, den Christgewerkschafter Thomas Krebs, kommt zum finanziellen Aspekt die Situation in den Schulen selbst dazu: "Da stimmen einfach die Rahmenbedingungen für Jung wie für Alt nicht." Außerdem gebe es ein spezielles "Dilemma" in Wien für pensionierte Lehrer: Diese würden dann auf zwei Versicherungssysteme aufgeteilt. Bisher waren sie bei der Beamtenversicherung, mit neuem Vertrag fallen sie dann zur Gesundheitskasse. Generell sei außerdem das Problem, dass zwei Einkommen im Ruhestand doppelt besteuert würden.

"Wir brauchen jetzt für den gesamten Lehrerstand wirklich professionelle Unterstützung", betont der Vorsitzende des Zentralausschusses der Wiener Pflichtschullehrer: "Sonst ist der Beruf nicht attraktiv." Er räumt ein, die 2020 gestartete Einstellung von Administrativkräften in den Schulsekretariaten zur Entlastung der Pflichtschuldirektoren funktioniere gut.

In Schulsekretariaten
748 Personen eingestellt

Bundesweit kamen dabei mit Stand vom November des Vorjahres 748 Personen, die beim Arbeitsmarktservice gemeldet waren, in Schulen zum Einsatz, listete der Bildungsminister auf. Zur dauerhaften Absicherung der Administrativkräfte schießt der Bund ab dem Schuljahr 2023/24 den Ländern bis zu 15 Millionen Euro für rund 650 bis maximal 700 Bedienstete zu.

Es brauche aber mehr professionelle Unterstützung im sozialen und psychisch-emotionalen Bereich, erklärt Krebs. Die Schulen bräuchten mehr Sozialarbeiter. Derzeit stehen insgesamt 65 Sozialarbeiterinnen, die schulübergreifen im Einsatz sind, zur Verfügung. Dazu kommen 32 Sozialpädagoginnen. Die Zahl der Schulpsychologinnen wurde von rund 180 im Zuge der Pandemie auf 199 im laufenden Schuljahr erhöht.

Um den Lehrermangel selbst abzufangen, unterrichten auch 4.265 Quereinsteiger. Dazu kommen knapp 1.100 Lehramtsstudenten bei insgesamt mehr als 70.000 Lehrkräften an Österreichs Pflichtschulen.