Wien. Ob Unternehmensberatung auf Türkisch, eine Podiumsdiskussion über Diversität in der Wirtschaft oder ein von Jugendlichen verfasstes Theaterstück über eine Schule, die wegen des hohen Anteils an Migranten geschlossen wird: Das Programm in der zweiten "Wiener Integrationswoche" umfasst Kulturevents ebenso wie Sprach- oder Business-Work-shops. Mehr als 140 Veranstaltungen werden ab Mittwoch, dem 2. Mai, in Wien zu erleben sein.

Man wolle "Wiens Vielfalt aufzeigen und eine Plattform für interkulturellen Austausch bieten", betont Organisator Dino Šoše, Geschäftsführer des Medienunternehmens Bum Media. Es sei nicht leicht, einen Migrationshintergrund mit sich herumzuschleppen, meint Šoše, der seit sieben Jahren in Wien lebt. "Statistiken zeigen, dass Migranten nicht das Problem der Gesellschaft sind, sondern Probleme in der Gesellschaft haben. Sie verdienen weniger, arbeiten schwerer, wohnen schlechter und werden nicht gerne als Nachbarn gesehen."

Eröffnet wird der Veranstaltungsreigen in der Brunnenpassage, unter anderem mit einem Dramolett des Autors und Ethnologen Richard Schuberth: "Dino Šoše hat mich gebeten, etwas Salz in die Suppe zu streuen", meint Schuberth. "Integration - Wer in was? Warum? Wofür? Und überhaupt" nennt sich das Werk, eine "launige Begegnung mit den Widersprüchen der Integrationsdebatte". Zum Inhalt möchte Schuberth nur so viel verraten: "Es geht um ein zwölfjähriges Mädchen und ihren Vater. Beide haben Migrationshintergrund. Im Verlauf stellt sich heraus, dass die soziale Differenz viel wichtiger ist als die kulturelle."

Am Begriff Migrationshintergrund hat sich Schuberth kürzlich erst gestoßen. "Ich habe ihn als rassistischen Begriff bezeichnet, weil er nur für Personen mit exjugoslawischen oder türkischen Namen verwendet wird, selbst wenn sie in der fünften Generation hier leben." Aber: "Self Empowerement" von Menschen mit Migrationshintergrund findet er gut: "Hier geht es um Hegemonie und Selbstbestimmung: Bisher waren diese Menschen fremdbestimmt. Nun mischen sie sich ein."

In der Integrationsdebatte würden kulturelle Argumente überbetont. "Mir kann die orientalische Musik meines Nachbarn nicht gefallen. Aber das kann ich artikulieren, ohne gleich vom Clash of Cultures zu reden." Alltagskonflikte seien oft rein zwischenmenschlichter Natur.

Apropos Musik: Zum achten Mal organisiert Schuberth heuer das Balkan-Fever-Festival, das von 26. April bis 13. Mai stattfinden wird. Der Mix aus World Music, Jazz, Underground-Rock und traditioneller Musik stößt seit 2004 auf reges Publikumsinteresse. So heterogen, wie das Programm ist, sei auch das Stammpublikum, betont Schuberth.

Einige Programm-Highlights sind diesmal auch Teil der Integrationswoche, etwa der Auftritt des Theodosii Spassov Folk Quintets im Ost Klub am 5. Mai. Die bulgarische Formation ist bereits fast ein fixer Bestandteil des Festivals. Sie begeistert mit traditioneller Balkanmusik das Wiener Publikum.

Mit einer Mischung aus Improvisationen, Eigenkompositionen und eigenwillig arrangierten Adaptionen von jugoslawischen Pophits, Bach und Bartok wird wiederum das Streichduo Catch-Pop String-Strong am 8. Mai im Radiokulturhaus aufwarten. Für Vielfalt ist gesorgt.