Herzogenburg. Tafelmusik im Stift - das ist nichts Ungewöhnliches. Auch nicht, dass dabei Gottes Barmherzigkeit besungen wird. Wenn aber im Liedtext die arabische Eröffnungsformel der Koranverse laufend wiederholt wird, ist das Ereignis nicht mehr ganz so alltäglich. Der Musiker und Musiktherapeut Gernot Galib Stanfel hat aus "Bismillah ar-Rahman ar-Rahim" (zu Deutsch: "Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes") ein Lied komponiert, das er während des islamischen Fastenbrechens (Iftar) im niederösterreichischen Stift Herzogenburg singt.

Stanfel lehrt auch als Dozent am Studiengang für das Lehramt Religion in Wien und ist Kulturreferent der Islamischen Religionsgemeinde St. Pölten, die dieses Fest organisiert hat. Seit der Wahl der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) im Jahr 2011 besteht die St. Pöltner Religionsgemeinde. Das ist ihr erstes Fastenbrechen, nicht aber die erste Begegnung von Muslimen und Augustiner-Chorherren im Stift Herzogenburg.

Anlässlich seines 900-jährigen Bestehens hat das Stift heuer insgesamt 20.000 Personen im Rahmen der Reihe "Zu Gast im Stift" eingeladen - darunter auch Prominente wie Bundespräsident Heinz Fischer, Dirigent Franz Welser-Möst oder den Schauspieler Erwin Steinhauer. Ein Tag war für die Muslime aus Herzogenburg reserviert. Auf eine Führung durch das Stift folgte ein gemeinsames Gebet in der Stiftskirche, bei dem islamische und christliche Gebete sowie Passagen aus Koran und Bibel vorgetragen wurden. "Die Kirche war voll", erinnert sich Isik Yüksel, Vorstandsmitglied der Moschee in Herzogenburg. Mehr als 300 Muslime waren gekommen. "Daran denken wir noch sehr gerne zurück", berichtet Propst Maximilian Fürnsinn. "Es war eine herzliche Atmosphäre."

Zum Fastenbrechen Anfang der Woche kamen Vorsitzende verschiedener Islam-Verbände, die Landespolitik war durch den ÖVP-Landtagsabgeordneten und ÖAAB-Generalsekretär Lukas Mandl vertreten. Am Beginn erläuterte Recep Dogan, Hauptimam von Niederösterreich, die Bedeutung des Fastens. Es sei ein "darstellendes Glaubensbekenntnis", denn Gott - Allah - sei ja nicht nur Schöpfer, sondern auch Herrscher. Indem man sich im Monat Ramadan von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang jener Dinge enthält, nach denen man ansonsten verlangt - Essen, Trinken, Geschlechtsverkehr - zeige man, "dass Allah über uns herrscht".