Bei den Nachwuchstunieren treffen sich die Fans. "Hey Marko!", ruft ein Mann mit slawischem Akzent seinem Sohn zu und deutet ihm, dass er im Zweikampf auch die Ellbogen ausfahren soll. Marko ist Stürmer der Vienna U14, die gerade ein Testspiel gegen eine zwei Jahre ältere Mannschaft aus Liesing, LA Riverside U16, bestreitet. Eine Zuschauerin mit österreichischem Akzent reagiert mit einem Grinsen: "Geh, Papa setz di nieder."

Das Publikum, bestehend aus Eltern verschiedener Communities der Vienna, lacht. Generell soll sich das Zuschauerverhalten seit den 1990er Jahren stark verbessert haben. Neckamm: "Es gibt immer wieder überambitionierte Eltern. Die schreien dann was rein, weil der Pass schlecht war. Rassistische Bemerkungen sind aber nicht mehr zu finden."

Doch es gibt immer noch Ausreißer, meint der Jugendleiter des FavAC Herbert Epstein: "Vor zwei Jahren gab es ein Spiel der damaligen U16 auf dem Donaufelderplatz. Die dortige Heimmannschaft wurde von einem Teil des Publikums mit der österreichischen Bundeshymne empfangen. So als würden die Österreicher gegen die Ausländer vom Fav AC spielen", so Epstein.

Die Integration gelingt nur, wenn es die Fans wollen

Im professionellen Fußball muss sich jeder neue Spieler in einer Mannschaft erst mal integrieren. Ob das gelingt, entscheidet das Publikum. "Ein Spieler wird dann ein echter Rapidler oder Austrianer, wenn er bestimmte Tugenden verkörpert. Die Frage ist, ob er auch vom Publikum als ein solcher identifiziert wird", erläutert Roman Horak. "Es ist ein komplexer Prozess der Eingemeindung. Ein echter Rapidler muss zum Beispiel Kampfgeist zeigen und viel herumlaufen. Ob er als solcher gilt, entscheidet wirklich nur seine Art des Auftritts. Die Herkunft spielt da keine Rolle."

Als etwa der Türkei-stämmige Fußballer Ümit Korkmaz von 2006 bis 2008 bei Rapid spielte, feuerten ihn selbst Fans mit einer negativen Einstellung zu Türken an. Horak beobachtete freilich, dass die austrotürkischen Anhänger von der restlichen Fangemeinde getrennt waren, obwohl sie sich hinter die gleiche Mannschaft stellten. "Fußball kann Ressentiments sowohl abbauen als auch aufbauen", meint Horak. Innerhalb der Vereine würden Klischees abgebaut, weil Spieler verschiedener Ethnien zusammenspielen. Doch nach außen ist das anders: "Wenn zwei Mannschaften gegeneinander spielen, wollen sie das Gegenteil. Das führt halt auch zu Spannungen."