Wien. Vier schwarz gekleidete Gestalten huschen durch die Wiener Innenstadt. Flink duckt sich die "Roma-Armee-Fraktion" an den Überwachungskameras vorbei. Ihre Mission: Umverteilung. Ihre Mittel: der schwarze Gürtel. "Nicht die Banken, sondern die Reichen sind das Problem", rappen die vier vermummten Ninjas. In ihrem Video zum aktuellen Song geben sie vor, in eine Bank einzubrechen, befreien "das Kapital" und sorgen für gerechte Besitzverhältnisse.

Das neueste Projekt der Künstlerin Sandra Selimovic wird im Rahmen der Wienwoche bis 29. September präsentiert. Es ist eine gesellschaftskritische Rap-Attacke auf den Wohlstand und den Rassismus hierzulande.

Selimovic mag es zu provozieren. Ob als Frau, Romni oder als Migrantin. Sie weiß um ihre Stärken. Ob als tanzende Ninja, rappende Feministin, boxende Schauspielerin oder junge Regisseurin - Sandra Selimovic ist eine künstlerische Allrounderin. Mit ihren kurz geschorenen Haaren und ihren tief sitzenden Baggy-Pants wirkt Selimovic wie eine Mischung aus Ronja Räubertochter, Momo und Hip-Hop-Braut. Lässig zieht die 32-Jährige an ihrer Zigarette und blickt etwas verquollen über den Rand ihres Espressos. Untypisch ist sie für ihre Community: eine burschikose Romni, die Theater macht. Zwar mögen die meisten Roma Musik und Tanz. Theater als Kunstform konnte sich jedoch nie in der Community durchsetzen. Selimovic will das ändern.

Selimovic provoziert. - © privat
Selimovic provoziert. - © privat

Das Roma-Mädchen in wallenden Kleidern

Schon früh hat Selimovic ihre Liebe für die Kunst entdeckt. Mit zwölf Jahren spielte sie zum ersten Mal in einer Fernsehserie mit. Ihre Rolle: das Romamädchen aus Rumänien, bettelarm und in bunten, wallenden Kleidern. "Das, was man sich hierzulande halt so vorstellt unter ,Zigeuner‘. Dabei hat meine Familie ganz normal gelebt: Job, Haus, Auto", erzählt Selimovic und lacht.

Im Alter von fünf Jahren wandert sie mit ihrer Familie aus Serbien nach Wien aus. Beide Eltern finden rasch eine Stelle in der Gastronomie - der Vater kocht, die Mutter wäscht Teller. "Typische Gastarbeiter-Jobs", erklärt Selimovic. Ohne Versicherung, schlecht bezahlt, Überstunden en masse. Insofern wurde der Auftritt ihrer Tochter zunächst willkommen geheißen. Gutes Geld brachte die Rolle, das war sicher, doch eigentlich wünschten sich die Eltern eher eine traditionelle Karriere für ihre Tochter. Mit 14 Jahren sollte sie jungfräulich an einen jungen Rom verheiratet werden, den ihre Eltern für sie ausgesucht hätten. Passiert ist nichts dergleichen. "Noch heute fragt mich meine Mutter, wann ich endlich etwas ,Normales‘ machen werde", sagt sie.