Schreibtischarbeit raubt den Ärzten einen Großteil ihrer Zeit, die sie mit Patienten verbringen könnten. - © fotolia
Schreibtischarbeit raubt den Ärzten einen Großteil ihrer Zeit, die sie mit Patienten verbringen könnten. - © fotolia

Wien. Erbrochenes vom Boden aufwischen, Frühstück, Mittag- und Abendessen servieren und stundenlang Patientendaten und Therapien-Dokumentationen in den Computer eintippen: Diese Tätigkeiten nehmen 40 Prozent der Arbeitszeit des ärztlichen und Pflegepersonals in Krankenhäusern in Anspruch. 40 Prozent an Ressourcen, die anderweitig fehlen. "Das Spitalspersonal ist mehr als am Limit", sagte Harald Mayer, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer, am Mittwoch. Es werde "ausgepresst wie die Zitronen". Gemeinsam mit Ursula Frohner, Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes, forderte er eine Entlastung durch strukturelle Änderungen und mehr Hilfspersonal.

"Das würde nicht einmal viel mehr kosten, weil durch die Umstrukturierung Ressourcen der Ärzte frei würden, wodurch man die offenen Ärzteposten gar nicht nachbesetzen müsste", sagte Mayer. Bereits durch eine Entlastung um die Hälfte der Dokumentations- und weiterer berufsfremder Tätigkeiten der Ärzte und des Pflegepersonals würden 20 Prozent ihrer Ressourcen frei.

Konkret gehe es um die Nacht- und Wochenenddienste. Arbeitet doch das Hilfspersonal strikt nach der 40-Stunden-Woche-Regelung nur Montag bis Freitag. Nachts und an den Wochenenden übernehmen Ärzte und Pfleger deren Tätigkeiten. "Speziell zu diesen Zeiten sollte man mehr Service-, Reinigungs- und Dokumentationspersonal zur Verfügung stellen", betonte Frohner. Letzteres könnte sich etwa auch durch Tele-Zuschaltungen einbringen, schlug die Präsidentin vor.

Höchstarbeitszeit von


72 Stunden pro Woche


Denn derzeit stellt sich die Situation so dar: Pflegepersonal und Mediziner arbeiten durchschnittlich 60 Stunden pro Woche, die höchste Stundenzahl liegt bei 72 Stunden. Rund sechs Nachtdienste monatlich sind Usus. Entspannung ist nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil, der Aufwand in den Spitälern wird laut Frohner durch die wachsende Zahl an älteren Menschen und damit chronisch Kranken immer höher.

Die Zahlen geben ihr recht: Im Vorjahr wurden mehr als 2,8 Millionen Patienten nach stationären Aufenthalten aus Österreichs Krankenhäusern entlassen - das sind um eine Million mehr als vor 20 Jahren. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug damals 6,4 Tage, heute sind es vier. Das bedeutet: "Die vielen Aufnahmen, die Anamnese und das Erstellen von Pflege- und Behandlungskonzepten erfordern einen erheblichen Mehraufwand", so Frohner. Verständlich sei daher, dass Pflegekräfte laut einer aktuellen Umfrage nur vier bis sechs Jahre im Beruf verweilen - die Ausbildung dauert drei Jahre. 70 Prozent der Ärzte können sich nicht vorstellen, bis zu ihrer Pensionierung im Spital zu arbeiten.