Wien. Frauen stellen etwas mehr als die Hälfte der österreichischen Bevölkerung. In der Politik sind sie jedoch deutlich unterrepräsentiert: Nur ein Drittel der Regierungsposten und Mandate ist von Frauen besetzt. Daran dürfte sich so bald auch nichts ändern, denn: Weil es wenige Frauen in der Politik gibt, kommen auch wenige Frauen in die Politik.

Für Frauen sei es "schwieriger, weil wir noch weniger sind, vor allem in den Führungspositionen", sagt Theresia Leitinger, Generalsekretärin der ÖVP Frauen. Eine Einschätzung, die auch Sieglinde Rosenberger, Professorin für Politikwissenschaft an der Uni Wien teilt. "Gruppen rekrutieren Gruppenmitglieder", sagt Rosenberger. Wo also viele Männer sind, werden tendenziell Männer rekrutiert. Rosenberger spricht von einem "nachhinkenden Prozess". In Skandinavien etwa, wo Frauen viel stärker in der Politik engagiert sind, stelle sich dieses Problem nicht.

Einen weiteren Grund für die Unterrepräsentanz von Frauen in der Politik sieht Rosenberger im beruflichen und familiären Bereich. Einerseits gebe es "politikfreundliche Berufe", die einen Einstieg in die Politik begünstigen: Im öffentlichen Bereich, in der Sozialpartnerschaft, in Wirtschaftsverbänden. Und dort seien mehr Männer als Frauen tätig.

Männer haben Zeit für Politik

Nicht zuletzt brauche es für Politik auch Zeit, sagt Rosenberger. Solange die familiäre Belastung zulasten der Frauen ungleich verteilt ist, haben Männer eben auch mehr Zeit für die Politik, so die Schlussfolgerung.

Dass Frauen deshalb seltener in die Politik gehen, weil sie sich weniger für Politik interessieren, lässt die Politikwissenschafterin nicht gelten. Zwar gebe es einen gewissen Gender Gap bei politischen Interessen, dieser sei aber nur geringfügig und reiche daher nicht aus, die Diskrepanz im Verhältnis zu erklären.