Wien. Dem Frauentag wird hierzulande vor allem mit pinken Broschüren, Gutscheinen und Rabatten für die weibliche Kundschaft gedacht. Ist das die Idee hinter dem Frauentag?

Ursprünglich kam die Idee für den Tag aus den USA. Anfang des 20. Jahrhunderts. Damals gründeten Frauen der Sozialistischen Partei Amerikas ein Nationales Frauenkomitee. Im Kampf um die Gleichberechtigung und das Wahlrecht für Frauen initiierte das Frauenkomitee im Februar 1909 den ersten Frauentag. Nach unzähligen Jahrzehnten richteten die Vereinten Nationen erstmals am achten März 1975, im Internationalen Jahr der Frau, eine Feier aus. Erst 1977 beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen, dieses Datum als Internationalen Frauentag anzuerkennen.

Zu wenig Engagement in Österreich?

Liest man sich also durch die Geschichte des Frauentages, erscheint es nahezu lächerlich, diesen Tag mit Rabatten auf Schönheitsprodukte in Ehren zu halten. Dass nur im Wiener Rathaus und vor dem Parlament ein Programm für Frauen abgehalten wird, ist der Architekturstudentin Merve Ö. zu wenig. "In der Türkei werden an diesem Tag überall Blumen und kleinere Geschenke an die weibliche Bevölkerung verteilt. Hauptsächlich passiert das in den Großstädten wie Istanbul oder Ankara."

Außerdem gehen die Frauen an diesem Tag in der Türkei auch auf die Straße, denn sie wollen mit ihren Demonstrationen aufzeigen, dass Frauen weltweit immer noch diskriminiert werden und zuweilen Opfer von Gewalt sind. "Es erscheint mir, als ob der Frauentag hier nicht wirklich ernst genommen wird von der Bevölkerung. Meiner Meinung nach, könnte es viel mehr Aktivitäten in diesem Bereich geben", kritisiert Merve.

Auch sei ihr die viel zu negative Berichterstattung in den österreichischen Medien aufgefallen. "Man muss sich auch mal auf den positiven Seiten zuwenden können", meint die Studentin. Nonstop über Vergewaltigungen am Frauentag zu berichten, sei ihrer Meinung nicht der richtige Ansatz.

Auch die Bosnierin Devla D. kann den Frauentag hier in Wien nicht so ganz nachvollziehen. "Der Frauentag wird am Balkan viel intensiver wahrgenommen als hier, jede Frau wird da wortwörtlich mit Blumen übersät", sagt die 22-Jährige und lacht. Dieser Brauch fängt schon in der Schule an, wo die Lehrerinnen mit Blumen oder Konfekt von ihren Schülern beschenkt werden. Es ist ein Zeichen, "dass sie ihnen Respekt zollen". Die Jus-Studentin sei geschockt gewesen, als sie vor Jahren  nach Wien kam. "Der Frauentag hier scheint wie jeder andere Tag auch zu sein. Gratulationen oder Sonstiges gab es keine, ich frage mich, ob die Leute überhaupt wissen, wann der Frauentag stattfindet und was dieser Tag bedeutet", sagt sie.

Bequemer Feminismus

Ob Blumen und Co. doch nicht nur eine Marketingmasche sind wie der Muttertag? Die gebürtige Tunesierin Samira H. sieht das nicht so. "Andere Leuten scheinen eben ihr Geld damit zu verdienen, aber immerhin geht dieser Tag nicht komplett unter." Auch in Tunesien werde jedes Jahr gefeiert, der Frauentag hat dort eine sehr politische Note. In den Großstädten finden  vermehrt friedliche Kundgebungen statt, auch lustige Zusammenkünfte und diverse Programme für Mädchen und Frauen in den Schulen standen auf dem Programm.

Obwohl die 36-jährige Mutter eher im ländlichen Gebiet aufwuchs und diesen Trubel nur durch das Fernsehen mitbekam, wünsche sie sich dennoch mehr Engagement hier in Wien. "Uns geht es hier in Europa viel zu gut. Das könnte vielleicht der Grund sein, warum wir es uns so bequem gemacht haben", meint die Sozialpädagogin. Schließlich gebe es immer noch genügend Vorfälle, wo Frauen beispielsweise am Arbeitsplatz aufgrund ihres Geschlechts minderwertig angesehen werden.

Auch die Österreicherin Jasmeet D. mit indischen Wurzeln erwarte sich mehr Tatendrang, was den Frauentag in Österreich betrifft. Die angehende Krankenschwester erzählt, dass der Frauentag in Indien richtig groß gefeiert wird. "Überall finden Kundgebungen statt, Süßes wird verteilt, Kurse jeder Art werden für Mädchen und Frauen angeboten. Abends findet dann immer das Highlight statt – ein Feuerwerk!" Auch für Wien würde sie ein derartiges Spektakel begrüßen. Auch die Bildung komme an dem Tag nicht zu kurz. Die Aufklärung bezüglich der Rechte der Frauen und ihre Rolle in der Gesellschaft werden den Kindern schon in der Schule nahe gelegt. "Diese Programme laufen vielleicht nicht in allen Schulen, trotzdem ist dies ein wichtiger Schritt, um den jetzigen Status der Frau etwas anzuheben", befindet die 23-Jährige Wienerin.

Auf die Frage, wie die jungen Damen den Frauentag dieses Jahr zelebrieren werden, sind sich alle einig. Die Bräuche des Heimatlandes werden, so gut es eben geht, hier in Wien integriert. "Blumen gibt es immer und überall, deswegen werde auch ich meiner Mutter und meinen Schwestern Blumen schenken. Wer weiß, vielleicht starte ich ja damit einen Trend in Wien", sagt die Bosnierin Devla D. und schmunzelt. Auch wenn dieser Ansatz ein etwas kapitalistischer ist, hoffe sie sehr, dass der wahre Sinn hinter dem Tag nie verloren gehen werde.

Die 23-jährige Jasmeet werde wohl höchstwahrscheinlich ihre weiblichen Familienmitglieder und Freundinnen mit selbstgemachten indischen Süßigkeiten zum Ehrentag beglückwünschen. "Jede von ihnen hat bisher Großes geleistet in ihrem Leben, allen voran meine Mutter. Als Zeichen der Wertschätzung möchte ich ihnen auf diesem Wege eben entgegenkommen."

Samira H. überlegt, ihre fünfjährige Tochter am Internationalen Frauentag ins Rathaus auszuführen. "Ich hoffe doch sehr, dass meine Tochter und ich einige Eindrücke dann mit nach Hause nehmen können", sagt sie und grinst.