Wien. Schlechte Neuigkeiten für Schüler, die gehofft hatten, die Zentralmatura würde aufgrund des Datenlecks beim Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) verschoben: Nach einer Prüfung durch den TÜV wird die einheitliche Matura heuer im Schulversuch wie gehabt an 400 Schulstandorten starten. "Die neue Matura kann wie ursprünglich geplant durch das Bifie abgewickelt werden", so Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek am Freitag bei einer Pressekonferenz, denn bei der Prüfung sei kein erhöhtes Sicherheitsrisiko festgestellt worden. Viele Schüler hatten eine strengere Beurteilung durch das neue Benotungssystem befürchtet und in Demos gegen die Zentralmatura protestiert.

Im Februar waren dann Schülerdaten auf dem rumänischen Testserver einer Bifie-Partnerfirma aufgetaucht, weshalb das Bildungsinstitut innerhalb weniger Wochen einem Sicherheitscheck unterzogen wurde. Das Ergebnis: Die Mängel, die es im Bereich des Datentransfers gegeben hatte, wurden "umgehend behoben" - worin genau diese bestanden, wollte die Ministerin nicht sagen, denn das würde Datenmissbrauch neuerlich "Tür und Angel" öffnen.

Direktoren: "Unverantwortlich"

Warum aber kommt die Zentralmatura, während andere, ebenso vom Bifie durchgeführte Testungen wie die Pisa-Tests pausieren? Bei der jetzigen Prüfung sei nur ein einziger Bereich überprüft worden, argumentiert die Ministerin. Auch Harald Montenegro vom TÜV betont, die aktuelle Sicherheitsüberprüfung sage nichts darüber aus, wie es um die Sicherheit etwa der Pisa-Tests bestellt sei. Aus diesem Grund hält Heinisch-Hosek an der angekündigten Pause aller weiteren vom Bifie durchgeführten Bildungstests wie TIMSS, Bildungsstandards oder eben Pisa fest. Darauf reagierte der Fachverband der AHS-Direktoren mit heftiger Kritik; die Absage der Abfrage der Bildungsstandards sei "durch nichts zu rechtfertigen, unverantwortlich, und unserer Meinung nach nicht einmal gesetzeskonform", so die Direktoren in einem offenen Brief. Die Pause an der Teilnahme an den Pisa-Tests mit der Begründung eines Datenlecks mache Österreich "international lächerlich". Bei gutem Vorankommen soll Österreich 2018 wieder an Pisa teilnehmen, die Bildungsstandards sollen erst 2015 (vierte Schulstufe) und 2016 (achte Schulstufe) getestet werden, sagt die Ministerin.

Zuvor soll das Bifie untersucht werden: Eine Analyse der Organisation, Prozesse, Abläufe und Datensicherheit ist geplant, denn in diesen Bereichen wurden bei der Überprüfung zur Zentralmatura Sicherheitsrisiken entdeckt. "Einmal Krisenfeuerwehr ist genug, jetzt geht es um Brandschutz", begründete Heinisch-Hosek die neuerliche Prüfung, zu der sie wie schon beim Check zur Zentralmatura das TÜV beauftragt hat. Aus derzeitiger Sicht sei "nichts passiert", so Montenegro .

Der Umfang der Prüfung soll bis Mai festgelegt werden, je nach Ausmaß werde sie zwischen 200.000 und 400.000 Euro kosten. Heinisch-Hosek betonte, der Datenschutzrat habe allen Ministerien geraten, die Datensicherheit in den Ministerien, in ausgegliederten Einheiten wie dem Bifie und bei externen Vertragspartnern zu überprüfen. Die Ergebnisse der zweiten Prüfung sollen bis Ende des Jahres vorliegen. Wenn dabei Managementfehler in der Datensicherheit des Bildungsinstituts festgestellt werden, würde das Konsequenzen haben, kündigte Heinisch-Hosek an.

Ministerin hält Bifie die Stange

In diesem Fall soll entschieden werden, welche Personen und Vertragspartner fortan für die Bildungsstudien eingesetzt werden. Das Bifie selbst stellt Heinisch-Hosek allerdings nicht in Frage. Mit Erleichterung haben Grüne, ÖVP und die VP-nahe Schülerunion reagiert. Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen, warf der Ministerin jedoch vor, sie habe mit "Panikmache um die angebliche Datenunsicherheit" viel Schaden angerichtet.