Lernpate Peter Staudinger und sein 10-jähriger Schützling. - © S. Jenis
Lernpate Peter Staudinger und sein 10-jähriger Schützling. - © S. Jenis

Wien. Vor knapp zwei Wochen ist der Schulbetrieb an den Wiener Schulen gestartet, und im Oktober wird auch die "Förderung 2.0" - die neue Förderschiene der Stadt Wien für schwache Schüler - anlaufen. "Derzeit wird der Bedarf erhoben", heißt es aus dem Büro vom zuständigen Stadtrat Christian Oxonitsch. Die Stadt Wien hat angekündigt, ab diesem Schuljahr Förderstunden für lernschwache Volksschulkinder anzubieten. Ab 2015 soll das Angebot auf die Neue Mittelschulen, Hauptschulen und AHS-Unterstufe ausgeweitet werden, insgesamt kostet das 20 Millionen Euro pro Jahr.

Bis zu 80 Kinder pro Tag

Außerhalb der Schule hat das Lernen am Nachmittag bereits begonnen: Eine Zehnjährige, ihren Namen will sie der "Wiener Zeitung" nicht verraten, malt akribisch Ziffern in ihr Aufgabenheft. Sie sitzt an einem Schreibtisch in einem 600 Quadratmeter großen Raum der "Lernhilfe Wien" in Simmering, bis zu 80 Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren machen hier täglich ihre Hausübungen. Unterstützt werden sie dabei von Lernpaten, die Einzelbetreuung findet in abgeschotteten Lern-Kojen statt.

Das Mädchen mit türkischen Wurzeln ist in Wien geboren, geht in die erste Klasse Hauptschule und wundert sich, warum die Hausübung so einfach ist. Wieso macht sie sie hier und nicht zu Hause? "Meine Mama spricht nicht Deutsch. Und mein kleiner Bruder stört mich nur."

Begonnen hat die Lerntafel vor drei Jahren mit zwei Lernpaten und fünf Kindern. Inzwischen besteht der Verein aus mehr als 160 aktiven Lernpaten und 300 Kindern, die regelmäßig kommen. Für die Kinder ist das Angebot gratis, in Anspruch genommen kann es von allen, die aus sozial benachteiligten Familien kommen. Doch wie lange der über Spenden finanzierte Verein noch weitermachen kann, ist ungewiss. Um das Angebot auch im nächsten Jahr aufrechterhalten zu können, sollen außerordentliche Vereinsmitglieder angeworben werden: "Freunde" sind ab 35 Euro pro Monat dabei, "Paten" können ab 1500 Euro einem Kind für ein Jahr einen Lernplatz sichern. 400 "Freunde" würden reichen, um die Finanzierung zu sichern, sagt der Lerntafel-Obmann Stefan Unterberger. Bei dem Verein handle es sich um echte "Gratis-Nachhilfe", "im Gegensatz zur ,Förderung 2.0‘ der Stadt Wien, das ist reiner Förderunterricht". Er kritisiert, dass das Geld der Stadt Wien im "Gießkannenprinzip" verteilt wird, und rechnet vor: Bei 600 Schulen würden die 20 Millionen Euro nur für 40 Kinder pro Schule ausreichen, obwohl in Wien ein Drittel der Schüler zusätzliche Unterstützung bräuchte.