Vogel: Die Organisation, für die ich arbeite, beendet im Schnitt ein Projekt pro Jahr wegen Unregelmäßigkeiten. Wir müssen da konsequent durchgreifen, auch um unseren Partnern in der Region, die korrekt arbeiten, zu zeigen, dass sich das für sie lohnt.

Was halten Sie von Charity-Events mit Promis?

Vogel: Wenn Kaviar und Lachsschnittchen gegessen werden, damit für die Armen im Süden Reis und Nudeln gekauft werden können, ist das eine Pervertierung.

Ottacher: Die meisten Charity-Events sind Teil des Kampfes um öffentliche Aufmerksamkeit, der Spendenzweck ist oft eher zweitrangig und manchmal sogar obskur. Wenn man um Spenden wirbt, ist das immer mit Kosten verbunden. Aber wenn der Aufwand eine gewisse Relation übersteigt, ist für mich der Zweck nicht erreicht. Bei professionell spendenwerbenden Organisationen sollten zumindest 75 Prozent wirklich in die Projekte gehen.

Vogel: Gewisse Ausgaben muss man natürlich einplanen. Denn wenn 100 Prozent der Spenden direkt an die Bedürftigen gehen, kann man einen Freiwilligen beschäftigen, der Schecks unterschreibt, aber dann fehlen professionelle Planung, Qualitätssicherung, Konzeptualisierung, professionelle Arbeit.

Was bedeutet die neue Brics-Bank für die Zukunft der EZA?

Vogel: Schon das Auftreten von China als internationaler Akteur hat einiges durcheinandergebracht. Der Westen war sich schnell einig: Die unterlaufen die Standards, schmeißen Geld auf den Markt, wollen nur Rohstoffe, kooperieren mit jedem Regime. Andererseits wurde das westliche Monopol erstmals herausgefordert, plötzlich war eine Alternative da. Die afrikanischen Staaten konnten sagen: Okay, jetzt suchen wir’s uns aus. Ich denke, Konkurrenz belebt das Geschäft. Und ich finde es immer gut, wenn Hilfsempfänger zu mitgestaltenden Akteuren werden. Selbst wenn man Altruismus ganz ausblendet, kann es sich die Welt nicht leisten, nicht in EZA zu investieren, weil unser Wirtschaftssystem abnahmefähige Märkte und kaufkräftige Kundschaft braucht. Unserer eigenen Wirtschaft tut es nicht gut, wenn am anderen Ende der Welt Schmutzeimerchen von Massenarmut herumstehen, wo Leute sich nicht leisten können, Klimaverantwortung zu übernehmen, an einer Lösung des Ernährungsproblems mitzuarbeiten und ihr einziges Heil in der Flucht nach Europa sehen.

Zu den Personen

Friedbert Ottacher (l.)

ist freiberuflicher Berater, Trainer und Autor, war Programmreferent unter anderem bei Care, Licht für die Welt und Horizont3000. Er lehrt an der Uni Wien und der TU Wien über die Praxis der EZA.

Thomas Vogel (r.)

ist Bereichsleiter Programme und Projekte bei Horizont3000 und lehrt ebenfalls an der Uni Wien und der TU Wien. Fotos:Moritz Ziegler