Wie sie mit von Studierenden in Eigenregie hergestelltem Videomaterial umgehen, handhabt jede Hochschule anders: An der Uni Wien gibt es etwa keine allgemein gültige Regelung. Während an der WU Wien die Lehrenden im Einzelfall zustimmen können, ist an der Uni Wien die Ablehnung eher die Ausnahme als die Regel. An der Politikwissenschaft gibt es Videos und Folien online, Philosophiestudenten können auf Vorlesungen in Form von Podcasts online zugreifen. International gibt es den Trend zu MOOCs, Gratis-Kursen im Netz. Und auch an der WU Wien heißt es immer öfter Mitschneiden statt Mitschreiben: In Finance-Vorlesungen stellen die Vortragenden zwar manche Folien online, aber nicht alle. "Die Lösungen der Rechenbeispiele fehlen im Netz", erzählt eine Studentin, da Vortragende sichergehen wollen, dass ihre Vorlesungen auch im digitalen Zeitalter besucht werden.

Längst wird mit Skripten und Mitschriften in sozialen Netzwerken wie Facebook gehandelt: "Wir haben eine offizielle Gruppe, und dann noch eine, in der der Tutor nicht dabei ist", erklärt eine weitere WU-Studentin. Diese Weitergabe digitaler Mitschnitte widerspricht eindeutig dem Urheberrecht.

Online-Lernmaterialien stellen die Unis vor große Schwierigkeiten hinsichtlich Datenschutz und Urheberrecht, weiß auch die Hochschulkonferenz. In ihrem Bericht empfiehlt sie neben enger Zusammenarbeit von Hochschulen, Studentenvertretern und Wissenschaftsministerium "gegebenenfalls eine Novelle des Urheberrechtsgesetzes". Die Nutzung der Inhalte von Vorlesungen auf elektronischem Wege, etwa in MOOCs, sei im österreichischen Urheberrecht derzeit "unbefriedigend abgebildet", so das Wissenschaftsministerium. Es werde mit dem Justizministerium diesbezüglich verhandelt, für heuer ist eine Reform des Urheberrechts geplant (derzeit ist eine Gesetzesnovelle bezüglich Leistungsschutzrecht in Begutachtung).

ÖH gegen Uni-Handhabe

"Studierenden muss das Recht eingeräumt werden, für den Privatgebrauch Vorlesungen mitzuschneiden und Inhalte aufzunehmen. Das darf nicht von der Kulanz der jeweiligen Hochschule abhängig sein", so Bernhard Lahner vom Vorsitzteam der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH). Und was sagen die WU-Studierenden zu der neu definierten Handhabe? Viele wissen noch gar nichts davon und zücken prompt ihr Smartphone, senken den Nacken, und checken ihre E-Mails. Welch Sinnbild für’s Studieren 2.0.

MOOC steht für "massiver offener Online-Kurs" und bezeichnet kostenlose Kurse im Netz, die meist auf Universitätsniveau sind. Sie kombinieren traditionelle Formen der Wissensvermittlung wie Videos, Lesematerial und Problemstellungen mit Foren, in denen Lehrende und Lernende miteinander kommunizieren und Gemeinschaften bilden können. Audiothek der Philosophie-Studenten: https://audiothek.philo.at

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