"Wiener Zeitung": Sie haben am Mittwoch an dem Treffen der Regierungsspitze mit den Landeshauptleuten teilgenommen. Sind das Hauptproblem nicht die regionalen Disparitäten auf Makro- und Mikroebene, also die Verteilung der Asylwerber innerhalb der EU und innerhalb Österreichs?

Michael Landau: Wir hätten erwartet, dass der Asylgipfel zwischen Bund und Ländern Lösungen und eine langfristige Strategie im Umgang mit Schutz suchenden Menschen bringt. Das ist leider nicht geschehen.

Was geschieht nun?

Das Motto scheint auch in den kommenden Monaten zu lauten: Zeltplanen statt Asylplänen. Natürlich ist es zu begrüßen, wenn nun zusätzlich 2500 Plätze in den Bundesländern geschaffen werden sollen. Doch eine mittel- und langfristige Strategie fehlt nach wie vor. Ich glaube, es geht darum, wieder zu einer österreichischen Tradition zurückzukehren, wo Bund, Länder und Gemeinden an einem Strang ziehen.

Wie lautet Ihr Gesamtkonzept?

Wir meinen Hilfe vor Ort in den Krisenländern. Wir meinen das Einfordern von mehr Solidarität in Europa. Und wir meinen, dass Aufgaben, die auch bei uns in Österreich anstehen, rasch und unaufgeregt gelöst werden sollen. Und zwar in einem Schulterschluss von Bund, Ländern und Gemeinden.

Was ärgert Sie besonders?

Besonders untragbar ist die Situation in Traiskirchen, wo sich derzeit 3000 Menschen befinden, davon 600 ohne Betten. Zudem sind 1200 der Menschen dort Kinder und Jugendliche. Da muss sofort etwas getan werden.

Die Caritas hat ihr Engagement für minderjährige Flüchtlinge in letzter Zeit verstärkt.

Ein Kind ist ein Kind - egal, wo seine Wiege stand. Daher muss man den Jugendlichen, die mir besonders am Herzen liegen, Unterstützung anbieten. Seit dem Jahr 2004 beträgt die Inflationsrate 25 Prozent. Die Tagsätze für die Jugendlichen wurden aber nur um 2 bis 3 Prozent erhöht. Hier sind wir als Hilfsorganisationen am Limit und stehen mit dem Rücken zur Wand.

Welche Maßnahmen sind nötig?

Es ist wichtig, die Gemeinden zu unterstützen. In Klosterneuburg etwa werden Zusammenhalt und Hilfe schon gelebt. Hier ist das Engagement der Bevölkerung enorm, die Hilfeleistung für die Betroffenen auch. Deutschland hat für die Unterstützung der Flüchtlinge nun ein Sonderbudget beschlossen. Vielleicht sollten wir das in Österreich auch andenken. Und wir müssen heute schon an morgen denken und Vorkehrungen wie Sprachkurse und Integrationsmaßnahmen treffen.

Ein großes Problem sind die steigenden Mieten. Auch hier hat die Caritas Vorschläge gemacht.

Wohnen ist die zweite Haut des Menschen. Ich wünsche mir von der Regierung eine Reform des Mietrechts. Denn das Problem der nicht leistbaren Mieten hat den Mittelstand längst erreicht. Das Dickicht undurchschaubarer Zu- und Abschläge gehört gelichtet.

Viele Österreicher haben wegen der Asylwerber Ängste und Sorgen...

Man muss diese Ängste sehr ernst nehmen, ihnen aber mit sachlicher Argumentation begegnen. Zum Beispiel gab es 1956 (im Zuge des Ungarn-Aufstandes, Anm.) und 1968 (Niederschlagung des Prager Frühlings in der Tschechoslowakei, Anm.) deutlich mehr Menschen, die zu uns geflohen sind. Jedenfalls ist es kontraproduktiv, Ängste zu schüren. Wenn ein Thema zum politischen Zankapfel wird, ist es schwieriger, auf die konkrete Not der Menschen hinzuweisen.

Ist das ein Seitenhieb auf die FPÖ?

Nein, es ist ein Appell und eine Bitte an alle politischen Kräfte des Landes. Mir geht es darum, dass man Menschen nicht gegeneinander ausspielt.