Wien. Der Prozess gegen Peter Westenthaler und den mitangeklagten Thomas Kornhoff muss wiederholt werden. Der Oberste Gerichtshof hat der Nichtigkeitsbeschwerde der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft Folge geleistet. Nach "fünf Jahren Ermittlungen und sechs Monaten Gerichtsverhandlung", wie Westenthaler in seinem Plädoyer vor dem OGH (Senatsvorsitz: Hans-Valentin Schroll) vorrechnete, beginnt der Prozess wieder von vorne. Vor einem Jahr hatte Teil eins mit Freisprüchen für beide Angeklagten in allen Punkten geendet.

Zumindest in einer der beiden Causen ist anzunehmen, dass auch der zweite Rechtsgang kein anderes Ergebnis liefern wird. Dabei geht es um eine vom Nationalrat beschlossene Nachwuchsförderung von einer Million Euro an die Bundesligaklubs, die von den damaligen Vorständen, Westenthaler und Kornhoff, zur Begleichung einer Finanzschuld verwendet worden sein soll.

Es war schon im Verfahren ein Streitpunkt, in welchem Verhältnis Vereine und Liga stehen. Klar ist, dass die Klubs für Verbindlichkeiten der Liga rechtlich nicht haften. Tatsächlich organisiert die Bundesliga nicht nur die Meisterschaft, sondern sie vermarktet sie auch, erlöst dadurch Gelder, die sie an die Klubs verteilt.

Der OGH sieht die Bundesliga jedoch nicht "bloß als Durchlaufposten", wie der Senatsvorsitzende erklärte, sie habe vielmehr "eigenständige Vermögensinteressen". Es ist anzunehmen, dass im zweiten Rechtsgang die Fußballfunktionäre eine andere Sichtweise als diese darlegen werden.

Zwar organisiert die Liga auch selbst Events, und tatsächlich stiegen in der Ära Westenthaler die Ausgaben für Eigenwerbung-Veranstaltungen deutlich an, doch lassen sich derartige Auslagen auch als Investition verstehen, um die Liga besser vermarkten und künftig höhere Einnahmen (für die Klubs) lukrieren zu können.

Die Bundesliga hatte zu jener Zeit nur ein Konto, über das alle Ein- und Ausgänge liefen. Auf dieses ging die Förderung aus dem Nationalrat ein und von diesem wurden auch Auszahlungen an Vereine geleistet - aber eben auch die Finanzschuld bezahlt.

Das Erstgericht sah eine Nachschusspflicht für die Vereine in dem Sinn, dass die Auszahlungen an die Klubs um die Finanzschuld von 1,2 Millionen Euro gemindert gewesen wären. Das sei eine "bloße Behauptung", erkannte nun der OGH. Im Verfahren selbst war zwar klar hervorgegangen, dass die Klub-Präsidenten nie daran gedacht hatten, die Liga in Konkurs gehen zu lassen. Dies fand sich jedoch nicht in der Urteilsbegründung wieder, was vom OGH moniert wurde.