Dass seitens der Institute, die um die Kursausschreibungen des AMS in Konkurrenz stehen, mit aufmüpfigen Trainern kurzer Prozess gemacht wird, dürfte kein Einzelfall sein. Wie die "Wiener Zeitung" Ende April berichtete, wurde ein Deutschtrainer vom Dienst freigestellt, nachdem er in den Medien offen über die Misere bei den Kursen gesprochen hatte. Seitens der Betriebsleitung warf man ihm damals "betriebsschädigendes Verhalten" vor. Auch er konnte nicht auf seinen Betriebsrat zählen. Dieser schrieb in einem internen Mail: "Die öffentliche Meinung derzeit auf die Problematik Deutschkurse zu lenken fördert viele Stimmen, die generell gegen Deutschkurse, gegen das AMS und gegen Asylsuchende sind und polarisieren, was nicht hilfreich ist."

Den Trainern, in der überwiegenden Mehrheit Frauen, geht es um eine für sie unhaltbare Situation, in die sie aufgrund des Kostendrucks ihrer Arbeitgeber gedrängt werden. Zwar regelt der Babe-Kollektivvertrag den Mindestlohn der Trainer, dieser gilt aber auch für andere Bereiche der Weiterbildung. Zentrale Forderungen der Trainer, wie jene nach ausreichend Vor- und Nachbereitungszeit, sind im KV nicht eindeutig geregelt. Festgehalten ist dort nur, dass es eine solche geben muss, nicht aber wie und in welchem Ausmaß.

Maximal 1600 Euro netto verdienen die Deutschtrainer. Bis zu fünf Jahre werden als Vordienstzeit angerechnet – egal, wie viel Berufserfahrung ein Trainer nachweisen kann. Auch Qualifikationen, wie beispielsweise ein abgeschlossenes Studium, berücksichtigt der Kollektivvertrag nicht. Dass ein Kollektivvertrag auch eine "Nivellierung nach unten" bedeutet, stellt Reinhard Weidinger, stellvertretender Vorsitzender der Babe-Arbeitgebervereinigung, nicht in Abrede: "Der Dienstgeber zahlt eben dann, was er zahlen muss."

Bei der Auftragsvergabe des AMS an die Institute würden Ausbildung und Erfahrung sehr wohl eine Rolle spielen, sagt AMS-Chefin Draxl. Es gelte das Best-, nicht das Billigstbieterprinzip. Eine Trainerin widerspricht dem heftig: "Wir sind nicht daran interessiert, Trainer mit hoher Qualifikation einzustellen, weil wir so wenig wie möglich bezahlen wollen, um die Projektzusage zu erhalten" – das bekomme man an einigen Instituten beim Vorstellungsgespräch klipp und klar zu hören. Gut qualifizierte Deutschtrainer mit jahrelanger Erfahrung werden so sukzessive aus dem Berufsfeld verdrängt und durch weniger qualifizierte Trainer ersetzt, so der Tenor auf der Podiumsdiskussion.

In einem sind sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer einig: Schuld an der Misere ist die Konkurrenz der Institute. Diese zwinge die Arbeitgeber zum Sparen, gibt auch Reinhard Weidinger offen zu. Die Ausschreibungen würden immer wieder jene Institute gewinnen, die die anderen "massiv unterbieten", sagt eine Trainerin. Wie Weidinger verweist auch Draxl auf den Babe-KV – und auf die Ausschreibungsrichtline des Bundes. Diese gelte für alle vom AMS angebotenen Weiterbildungsmaßnahmen, für die Deutschkurse fehle eine eigene Richtlinie. Und daran sei man eben auch als AMS gebunden. Üblich sei nur die Bezahlung von Vordienstzeiten von bis zu 15 Prozent der Stundenanzahl – abhängig vom Institut. Würde man sich bei den KV-Verhandlungen auf höhere Vordienstzeiten, die Anerkennung von Qualifikationen und eine Definition von zu bezahlender Vor- und Nachbereitungszeit einigen, "dann schreiben wir das so in die Richtlinie". Das AMS habe eine Monopolstellung, empören sich die Trainer, und daraus folge auch eine politische Aufgabe. Es solle sich beim Finanzminister für mehr Budget einsetzen.