Alexandra Adam, Abteilungsleiterin der Wohndrehscheibe, erklärt gegenüber der "Wiener Zeitung", dass der Großteil der syrischen Wohnungssuchenden zum Zeitpunkt der Erstberatung keine eigene Wohnung hatten: 2015 waren das etwa 82 Prozent. 2016 waren es 78 Prozent. Viele dieser Personen sind von versteckter Wohnungslosigkeit betroffen: Sie wohnen bei "Bekannten", zahlen für ein Bett zwischen 250 bis 400 Euro im Monat, um das Schicksal Straße zu umgehen. Oft können sich die betroffenen Personen dort, wo sie unterkommen, nicht melden. Das bedeutet in Wien: ohne Meldeadresse keine Mindestsicherung.

Wohnen als Basis für Selbständigkeit

Schätzungen oder Spekulationen dazu abzuliefern, wie viele Asylberechtigte künftig den Sprung von der Grundversorgung in die Privatunterkunft nicht schaffen, sei unseriös, bestätigt der Fonds Soziales Wien (FSW) gegenüber der "Wiener Zeitung". Bereits jetzt sind 62 Prozent der Personen in der Wiener Grundversorgung am privaten Wohnungsmarkt untergekommen.

Außerdem gäbe es in Wien eine soziale Absicherung für Asylberechtigte: "Grundsätzlich gilt, dass Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte Österreichern gleichgestellt sind. Sie verfügen über freien Zugang zum Arbeitsmarkt und haben Anspruch auf die Bedarfsorientierte Mindestsicherung, um ein Abrutschen in die Wohnungslosigkeit zu verhindern", betont der Sprecher des FSW und des Wiener Flüchtlingskoordinators Peter Hacker.

Ecker hingegen unterstreicht, dass das Wohnen an erster Stelle stehe: "Auch im Sinne der Nachhaltigkeit für unsere Gesellschaft. Wenn wir nichts anbieten, entstehen Folgeauswirkungen: Es wird Probleme beim Aufbau des Lebens, beim Finden eines Jobs, beim Schaffen eines positiven Schulabschlusses geben. Das muss bewusst gemacht werden. Die Wohnversorgung stellt die Basis dar, da es ohne Wohnung schwierig ist, andere Dinge in Anspruch zu nehmen oder sich etwas aufzubauen."

Asylberechtigte als neue Klienten anerkennen

Daher die Forderung des Verbands Wiener Wohnungslosenhilfe: Asylberechtigte müssen stärker als Klienten der Wohnungslosenhilfe verstanden werden, denn derzeit stünden sie am "unteren Ende der Nahrungskette", so Ecker. Konkret heißt das, die Bedürfnisse der Zielgruppe zu beachten - von der Sprache über soziokulturelle Unterschiede bis hin zu psychischen Traumata aufgrund der Flucht- und Kriegserfahrungen. Oft gehe es um ganz "banale Dinge", die es aber zu beachten gibt, schildert Ecker seine bisherigen Erfahrungen: "Es ist uns schon aufgefallen, dass man sich überlegen muss, wie man Räumlichkeiten anordnet, wer wen zu Hause sehen darf, welche Rückzugsmöglichkeiten angeboten werden."

Zudem müsse man sich künftig auf eine längere Betreuungsdauer einstellen: "Derzeit unterstützen wir Menschen im betreuten Wohnen, in der Resozialisierung ungefähr ein Jahr oder eineinhalb Jahre. Ganz selten auch einmal zwei Jahre. Bei Asylberechtigten kommen verschiedene herausfordernde Themen hinzu, die - und das ist sehr unüblich für uns - einen längeren Betreuungszeitraum benötigen."

Was es dafür braucht, ist - wie so oft - eine entsprechende Finanzierung sowie eine Aufstockung der Angebote. Auf die Nachfrage, ob es diesbezüglich Pläne gibt, weist der FSW darauf hin, dass die Stadt Wien noch in diesem Jahr ein Programm für günstigen Wohnraum starten wird. Ein Kontingent davon wird über den FSW vergeben. Zudem ist eine Aufstockung der Startwohnungen geplant. Wie viele das sein werden, könne noch nicht konkretisiert werden. Derzeit läuft die Suche nach geeigneten Standorten.