Aber auch die Kosten der Steuerentlastung könnten deutlich höher sein, als die FPÖ angibt. Beispiel Familiensplitting: Frühere Berechnungen nach dem Vorbild Deutschlands zeigen, dass es in Österreich nicht die von der FPÖ geplante Milliarde Euro, sondern vier kosten könnte. Dabei wird in Deutschland nur das Partnereinkommen zusammengerechnet und dann jeweils die Hälfte besteuert. Die FPÖ will darüber hinaus auch Kinder einbeziehen. Kirchmayr stellt fest: "Bei einem Jahreseinkommen von 60.000 Euro wären bei einer Familie mit einem Kind demnach nicht 11.000, sondern 33.000 Euro steuerfrei. Das könnte wirklich sehr teuer kommen."

Das Modell entlastet übrigens jene Familien mit großen Einkommensunterschieden am meisten. Es ist also ein Anreiz für jene, die heute wenig verdienen, künftig gar nicht zu arbeiten. WU-Volkswirt Stefan Humer weist deshalb darauf hin, dass dadurch auch die Sozialversicherungen weniger Einnahmen haben könnten.

Pikant übrigens: Im Programm steht, dass eine "moderne Steuerpolitik", so wie sie die FPÖ versteht, "stärker auf indirekte Steuern setzt" - die Wähler könnten sich ihre Entlastung also möglicherweise an anderer Stelle selbst finanzieren müssen.

Die Neos wollen
19 Milliarden Euro bewegen


Die Steuerreform der Neos wiederum sieht eine Entlastung des Faktors Arbeit von 6,6 Milliarden Euro vor. Anstelle der Kommunalsteuer, die Gemeinden drei Milliarden Euro bringt, und einer Milliarde der Wohnbauförderung sollen Länder und Gemeinden künftig selbst Steuern einheben. Der Wille dazu hielt sich in allen Bundesländern in der Vergangenheit bekanntermaßen in Grenzen.

Mit sogenannten "Zukunftsinvestitionen" unter anderem in Bildung kommen die Neos auf 19 Milliarden Euro in ihrer Reform, die es gegenzufinanzieren gilt. Fünf Milliarden Euro will die Partei alleine bei der Gesundheitsverwaltung durch "mehr Effizienz und Kooperation" einsparen. Da die Staatsausgaben für das gesamte Gesundheitswesen 2016 bei 28 Milliarden Euro lagen, hält Humer das Ziel, "fast ein Fünftel bei der Gesundheitsverwaltung einzusparen, für "sehr ambitioniert".

Auch die SPÖ greift
tief in die Tasche


Für ambitioniert hält Kirchmayr auch manche Steuerpläne der SPÖ, und zwar, dass die ersten 1500 Euro steuerfrei bleiben sollen. "Das ist, als ob ich die Steuerfreigrenze von derzeit 11.000 für alle auf 18.000 Euro anhebe." Drei Milliarden Euro kostet das laut Plan A. Kirchmayr bezweifelt, dass sich das ausgeht. Dazu will man die kalte Progression bei den Steuerstufen ausschalten, im Unterschied zu ÖVP und FPÖ aber dabei die niedrigeren Einkommen gegenüber höheren bevorzugen. Wie genau, ist im Plan A aber noch nicht erklärt.

Auch für Unternehmer plant die SPÖ eine Entlastung: wie die ÖVP beim Dienstgeberbeitrag für den Familienlastenausgleichsfonds. Insgesamt beziffert die SPÖ die Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Entlastung bei den Löhnen mit 5,3 Milliarden Euro.

Gegenfinanzieren wollen die Sozialdemokraten die Steuerpläne mit einer Wertschöpfungsabgabe. Das heißt, die Unternehmer zahlen sich die Entlastung beim Familienlastenausgleichsfonds weitgehend selbst. Bis zu einer Milliarde soll aus Verschärfungen bei den Konzernsteuerregeln kommen. Dazu plant die SPÖ Einsparungen bei Verwaltung und Förderungen von zwei Milliarden Euro. Wo genau, erzählt der Plan A aber kaum. Im Kapitel "Bürokratie entrümpeln" werden Einsparungsziele nicht genauer beziffert. Die 500 Millionen Euro aus einer Erbschaftssteuer reserviert die SPÖ für die Finanzierung der Pflege.

Eine Erbschaftssteuer planen auch die Grünen, dazu Ökosteuern und eine Entlastung beim Faktor Arbeit. Mit konkreten Zahlen warten die Grünen in ihrem Programm allerdings nicht auf. Aus dem Grünen Klub heißt es nur, die Reform sei "aufkommensneutral" angelegt, die Milliardenversprechen der anderen Parteien seien "unseriös". So kann man sich natürlich auch möglicher Expertenkritik entziehen.