Wien. Neun Jahre Haft - nicht rechtskräftig. So lautet das Urteil gegen den Angeklagten Lorenz K. im Wiener Terrorprozess. Der 19-Jährige wurde am Freitagabend von den acht Geschworenen in zentralen Anklagepunkten - versuchte Bestimmung zum Mord in zwei Fällen, jeweils in Form einer terroristischen Straftat - mehrheitlich schuldig erkannt. Verteidiger Wolfgang Blaschitz erbat Bedenkzeit, der Staatsanwalt gab vorerst keine Erklärung ab. Erschwerend wurde bei der Strafbemessung das Handeln aus einem "besonders verwerflichen Motiv", nämlich aus radikalislamistischen Beweggründen, gewertet. Eine offene bedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten aus einer einige Zeit zurückliegenden Vorverurteilung wurde dem 19-Jährigen nicht widerrufen. Zudem wurde K. vom Wahlrecht ausgeschlossen.

Der Angeklagte soll einen Zwölfjährigen dazu angestiftet haben, einen Selbstmordanschlag im deutschen Ludwigshafen zu versuchen. Laut Anklage hat er - gemeinsam mit einer jungen Frau, mit der K. nach islamischen Recht verheiratet ist - auch eigene Anschlagspläne für eine Attacke in Deutschland vorbereitet.

Der Prozess gegen K. hatte vergangenen Mittwoch begonnen und sich über fünf Verhandlungstage erstreckt. K. bekannte sich schuldig, Mitglied einer terroristischen Vereinigung und einer kriminellen Organisation gewesen zu sein. Er habe sich dem Islamischen Staat (IS) angeschlossen, gab der 19-Jährige zu. Zu den anderen Anklagevorwürfen zeigte er sich nicht geständig. Seine Attentatspläne seien nie in ein konkretes Umsetzungsstadium getreten.

"Mir war es gleichgültig"


Zudem habe der Zwölfjährige ohne sein Zutun den Anschlag geplant, meinte der Angeklagte. "Wollten Sie, dass er es macht?", fragte der vorsitzende Richter. "Mir war es gleichgültig", antwortete K. Befehle habe er dem Buben nie gegeben. Bei seinen Schlussworten am Freitag räumte er aber ein: "Ich habe einen Riesenmist gebaut". Zwar sei er von seinen radikalen Ansichten noch nicht komplett geheilt. "Von der IS-Ideologie distanziere ich mich aber." Der Deradikalisierungsprozess beim Angeklagten sei bereits im Gange, aber noch lange noch nicht abgeschlossen, meinte hingegen der Staatsanwalt.

K. war im Laufe des Prozesses von einigen Zeugen entlastet, von anderen belastet worden. Er habe den Angeklagten im Internet kennengelernt und nur am Laufenden gehalten, meinte der Bub, den K. zum Anschlag auf den Weihnachtsmarkt angestiftet haben soll. "Die Idee kam von mir", sagte der nunmehr 14-Jährige aus. Als er neun gewesen sei, habe er schon Bomben gebaut. Er habe den IS und seine Ziele gut gefunden. Deshalb habe er "was in Deutschland machen" wollen.